Pure Authentizität: Glen Hansard gibt im Kulturzelt ein umjubeltes Konzert

Ein Star als guter Freund

Zauberhafte Geschichten: Glen Hansard, bekannt aus dem Kino-Juwel „Once“. Foto: Zgoll

Kassel. Nie wieder möchte man auftauchen. Versunken bleiben. Am liebsten für immer. Es fühlt sich einfach zu gut an, sich in den Geschichten von Glen Hansard zu verlieren, die sich vor dem inneren Auge aufbauen, sobald er die Gitarre anschlägt und mit sanfter Stimme erste Buchstaben zu Worten formt.

Schnell ertappt man sich beim ausverkauften Konzert am Sonntag im Kasseler Kulturzelt, wie man in der Hosentasche nach Kleingeld wühlt, um es dem charmanten Straßenmusiker in seinen Gitarrenkoffer zu werfen. Als solcher nämlich dürfte Hansard den meisten Besuchern noch aus dem Kino-Juwel „Once“ bekannt sein, in dem er sich an der Seite von Markéta Irglová auf Dublins Straßen die Seele aus dem Leib singt.

Die Straße braucht er dafür nicht mehr, wie er seinem Kasseler Publikum spätestens bei Aretha Franklins „Respect“ beweist, in dem er sich selbst mindestens so wohl fühlt wie die Bläser seiner elfköpfigen Begleitcombo. Und doch sind es eher die ruhigen Stücke, die den zottelbärtigen Bilderbuch-Iren zwischen Schwermut und Euphorie wandeln lassen, auf diese unbekümmerte Art und Weise, die einfach nur fasziniert.

Songs wie „Bird of Sorrow“ oder „High Hope“ aus dem aktuellen Album „Rhythm and Repose“ gehen tief - sanft, intim und mitreißend zugleich. Glen Hansard hat die Melancholie im Blut und absolut keine Scheu, sie nach außen zu kehren, seinen Fans greifbar zu machen. Wenn er in „You will become“ über das Meistern von Niederlagen erzählt, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als ihm jedes einzelne Wort zu glauben. Und wenn die tiefe Stimme in „The Storm, it’s Coming“ plötzlich brüchig wird, rückt der 42-Jährige seinen Fans emotional noch ein Stück näher.

Pure Authentizität. Die Kasseler danken es ihm und lassen all ihre Emotionen raus, vom stürmischen Jubel bis zur dicken Träne. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, durch das man mit dem netten Iren nur zu gern geht.

Vergessen ist das Bild des Straßenmusikers von einst, Hansard ist zum Star geworden und dabei doch irgendwie Freund geblieben. Nur bei den Hits „Minds Made Up“ und „Falling Slowly“ sieht man ihn kurzzeitig wieder auf den Straßen Dublins stehen.

Das Kleingeld aber darf nach einem denkwürdigen Konzert getrost in der Hosentasche bleiben, den Gitarrenkasten nämlich will man nur noch mit einer gehörigen Portion Anerkennung füllen, für die zauberhaften Geschichten, in denen man sich so gern verliert und aus denen man am liebsten nie wieder auftauchen möchte.

Von Sascha Hoffmann

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