Der Star, der keiner sein will: Schlagersänger Semino Rossi

Vor 30 Jahren wanderte der Argentinier Semino Rossi nach Spanien aus, landete aber erst einmal auf der Straße. Heute liegen dem Sänger die Frauen zu Füßen - bald auch wieder in Kassel.

Über die schönste Liebesgeschichte hat Semino Rossi noch kein Lied gesungen, sie ist ihm einfach passiert. Es war 1986, als der Argentinier in einer österreichischen Pizzeria seine Frau traf. Rossi sang romantische Lieder und ging anschließend mit einem Teller durch die Reihen. Gabriele, die mit ihrer Freundin an einem Tisch saß, gab ihm 20 Schilling, und sie tauschten „Telefonnumero“, wie Rossi sagt: „Es gab ja noch kein Whatsapp.“

Zehn Tage später meldete sie sich bei dem Sänger. Und da, so Rossi, „hat die ganze Liebesgeschichte begonnen“. Seine Erfolgsgeschichte begann etwas später, aber sie hat bis heute zu unzähligen Goldenen und Platin-Schallplatten sowie zu Auszeichnungen wie dem Echo und der Krone der Volksmusik geführt. Der Argentinier, der mit Gabriele und den beiden Töchtern in Österreich zu Hause ist, „lässt die Deutschen von der Liebe träumen“, schwärmen Kritiker.

Nun hat der 53-Jährige ein Album mit dem größenwahnsinnigen Titel „Die schönsten Liebeslieder aller Zeiten“ aufgenommen. Wenn das einer kann, dann Semino Rossi. Mit dem Star-Produzenten Humberto Gatica (Elton John, Andrea Bocelli) hat er Evergreens wie „La vie en rose“ in einem Mix aus Pop, Latino-Sound und Klassik neu eingespielt. „Buena Vista Social Club meets Wiener Opernball im Musikantenstadl“, schreibt die Plattenfirma. Rossi selbst würde das nie so anpreisen. Wenn man ihn am Telefon interviewt, bedankt er sich am Ende dafür, dass man ihn unterstützt. Andere Stars legen einfach den Hörer auf.

Rossi gilt als liebenswert und bescheiden, was auch mit seiner Biografie zu tun hat, die nicht immer eine Liebesgeschichte war. 1985 reiste der gelernte Rettungsschwimmer ohne Rückflugticket und mit nur 200 Dollar in der Tasche nach Spanien, um Profi-Musiker zu werden. „Aber ich landete auf der Straße“, sagt der Mann mit der lockigen Spitzfrisur, der eigentlich Omar Ernesto Semino heißt.

In Hotels trat er unter mehreren Künstlernamen auf, irgendwann nannte er sich Rossi - wie der Titelheld der italienischen Zeichentrickserie „Herr Rossi sucht das Glück“. Als er bei einem Geburtstag in Österreich auftrat, entdeckte ihn der Mitarbeiter einer Plattenfirma. Der Rest ist Geschichte.

Längst singt er auf Deutsch, was er sich vor 30 Jahren nie hätte vorstellen können. Wahrscheinlich auch wegen seiner weichen Aussprache lieben ihn die Frauen. 70 Prozent seiner Fans sind weiblich, trotzdem sei seine Frau nie eifersüchtig, sagt Rossi.

Gabriele arbeitet immer noch als Hebamme, die Familie fährt einen Mittelklassewagen. „Wir sind auf dem Boden geblieben und eine ganz normale Familie“, sagt Rossi. Man kann nicht anders, als sich in ihn zu verlieben.

Semino Rossi: 2 April 2016, Stadthalle Kassel. Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

„Die schönsten Liebeslieder aller Zeiten“ sind bei Polydor erschienen.

die Begriffe Schmusesänger, Herzensbrecher und Schnulzensänger, die oft für ihn verwendet werden: „Ich bin einfach ein Sänger, der von der Liebe singt. Es ist eine wundervolle Aufgabe, die Herzen der Menschen zu erreichen. Schlager ist Musik für das Volk. Ich verstehe nicht, warum das manche schlecht machen. Musik ist immer etwas Positives. Das sollte man respektieren.“

die Anfänge in Europa:  „Das war eine extrem schwierige Zeit. Mein erstes Geld habe ich als Straßenmusiker verdient. In dieser Zeit habe ich viel gelernt.“

Flüchtlinge, die wie Rossi für ein besseres Leben nach Europa kommen: „Ich habe mein Land nicht wegen eines Krieges verlassen, sondern weil ich eine Plattenfirma finden wollte. Heute habe ich großen Respekt vor Deutschland, das so viel für die Flüchtlinge tut. Wir sollten unsere Herzen öffnen. Die Menschen brauchen Frieden.“

Zur Person

Geboren: am 29. Mai 1962 in Rosario (Argentinien) als Omar Ernesto Semino und Sohn eines Tangosängers sowie einer Pianistin

Ausbildung: zum Rettungsschwimmer

Musik:  Rossi lernte mit fünf Jahren Gitarre und zog 1985 für die Karriere nach Spanien. Sein erstes Album „Alles aus Liebe“ erschien 2004.

Privates:  Der Vater von zwei Töchtern (24 und 17) lebt mit seiner Familie in der Nähe von Innsbruck.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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