Amy MacDonalds’ zweites Album „A Curious Thing“ überzeugt nicht völlig

Zu stark geschminkt

Erfolgreiche Songwriterin: Die Schottin Amy MacDonald – hier leider ohne Gitarre – hat ihr zweites Album veröffentlicht. Foto: Universal

WAG steht in britischen Boulevardzeitungen für Wifes and Girlfriends (Ehefrauen und Freundinnen). Gemeint sind damit jene, die in Deutschland Spielerfrauen genannt werden, die Anhängsel von Fußballstars.

Auf ihrem Debütalbum hat die Schottin Amy MacDonald vor zwei Jahren diese WAGs aufs Korn genommen. Im Song „Footballer’s Wife“ beschwerte sie sich, dass diese Frauen die Welt mit ihren persönlichen Problemchen belästigten und sich für unheimlich wichtig hielten.

Vielleicht ist es die Ironie der Geschichte, dass Amy MacDonald, deren zweites Album nun herauskommt, nun mit einem Fußballer verlobt ist: Steve Lovell spielt für den schottischen Zweitligisten Partick Thistle.

Und doch hat die 22-Jährige mit einer typischen WAG wenig gemeinsam. Von ihrer ersten CD „This Is The Life“ wurden allein in Deutschland fast 900 000 Exemplare verkauft. Dennoch gibt sie sich in Interviews bodenständig und sagt, dass es nicht um ihre eigene Person gehe.

Heute erscheint „A Curious Thing“, aus dem „Don’t Tell Me That It’s Over“ schon seit Wochen in den Radios rauf und runter gespielt wird. Doch die neue Scheibe ist nicht einfach eine Fortsetzung des Gitarren-Pop von Album Nummer eins.

Der Unterschied wird schon auf dem Plattencover sichtbar. Während die Schottin bei der Debüt-CD auf ihre Gitarre gestützt noch verträumt am Betrachter vorbei blickte, schaut sie ihn nun direkt an; kantiger und stark geschminkt.

Leider trifft das auch für eine ganze Reihe der Songs zu. Mit viel musikalischer Schminke wurde versucht, sie aufzuhübschen. Was die Plattenfirma als „sehr viel satter“ bezeichnet, ist tatsächlich häufig überflüssige Spielerei.

Dabei sind MacDonalds’ Lieder in ihrer Substanz auch diesmal gelungen. Sie sind meist ein ganzes Stück rockiger und gut geeignet fürs Konzert. Doch schöner wäre es vielfach gewesen, hätte man erneut Amys dunkle, schöne Stimme und die Gitarre in den Vordergrund gestellt.

„What Happiness Means To Me“ ist symptomatisch: ein schönes Stück mit Klavier, Stimme und leichter Geige. Doch nach 2:30 Minuten beginnt plötzlich ein Schlussteil, der sich mit Bombast selbst überbietet.

Positive Gegenbeispiele wie „Your Time Will Come“, „Troubled Soul“ und „This Pretty Face“, das mit einer Art Saloon-Klavier beginnt, sowie das ausgekoppelte „Don’t Tell Me That It’s Over“ sorgen für ein positives Gesamtbild. Die Songs stimmen, die Verpackung ist übertrieben.

Und im versteckten Song zeigt Amy, was sie wirklich kann: eine Live-Coverversion von Bruce Springsteens „Dancing In The Dark“. Die Stimme, die Gitarre, etwas zerbrechlich und einfach schön.

Das alles singt Amy MacDonald mit ihrem charmanten schottischen Akzent. Ein deutscher Kritiker soll sie mal gefragt haben, ob sie denn nun nicht mal richtiges Englisch singen wolle. Der Mann muss verrückt sein.

Amy MacDonald: A Curious Thing (Mercury/Universal) Wertung: !!!::

Von Olaf Dellit

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