Starke Gefühle: Händels Oper „Siroe, Re di Persia“ in Göttingen

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Am Ende ein glückliches Paar: Yosemeh Adjei (Siroe, links) und Anna Dennis (Emira).

Göttingen. Am Anfang feine Abendgarderobe und so auch am Ende. Doch in den drei Stunden dazwischen! Hass, Rache, Intrige, auch Liebe und Edelmut sind die nicht zu knapp bemessenen Ingredienzien in Georg Friedrich Händels wenig bekannter Oper „Siroe, Re di Persia“.

Sie eröffnete am Freitagabend die Internationalen Händel-Festspiele in Göttingen.

Verworren und voller Unglaubwürdigkeiten ist die Handlung, doch was Händel daraus machte, ergibt ein Meisterwerk. Wie der Mann aus Halle die überbordenden Emotionen in Musik umsetzt, ist genial.

Wir befinden uns am persischen Hof im frühen Mittelalter, wo die Übergabe des Throns von König Cosroe ein ganzes Knäuel von Verwicklungen auslöst. Regisseur Immo Karaman nimmt die Oper ernst und macht daraus im Deutschen Theater ein Stück von der Dichte eines Kammerspiels.

Die Szenerie hätte auch für Ibsen, Lorca oder Sartre getaugt. Alle läuft in einem heruntergekommenen Haus ab. Die Regie der Personen ist meisterhaft, Konstellationen werden klar herausgearbeitet, gute wie böse Beweggründe präzise ausgestaltet. Viele Details schärfen die Sicht auf die Personen. Nie entsteht ein lediglich bebildertes Konzert.

Partner im Orchestergraben war das FestspielOrchester, das erstmals für die Opernproduktion der Festspiele vom Künstlerischen Leiter Laurence Cummings dirigiert wurde. Und der Engländer tat dies mit großer Präzision. Oft ließ er die Musikerinnen und Musiker sehr ernst spielen. Faxen und spielerische Freiheiten wie jahrelang bei Nicholas McGegan gestattete er nicht.

Als Ergebnis hörte das begeisterte Premierenpublikum eine Interpretation, die tief auslotete und vorzüglich zu der Inszenierung passte.

Begeisterung gab es auch für die im Durchschnitt jungen Sänger. Das in den politischen Gegebenheiten gefangene Liebespaar, das am Ende glücklich sein darf, war brillant: Anna Dennis als Emira/Idaspe mit ihrem wunderbaren Sopran und der Countertenor Yosemeh Adjei als Siroe, der ebenfalls süßesten Wohlklang erzeugen konnte.

Aleksandra Zamojska gab die Laodice mit dem großen Kleiderschrank strahlend und hell, Lisandro Abadie den König elegant. Der zweite Countertenor, Antonio Giovannini als Merdarse, hielt nicht ganz die Höhe. Ross Ramgobin verkörperte den Arasse. Stets präsent die Tänzerin Bettina Fritsche als hinzuerfundene stumme Rolle.

Weitere Aufführungen: 14., 15., 19. und 20. Mai

Info: Tel. 0551 / 38 48 130

Karten online: www.haendel-festspiele.de

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