Starke Musik, starke Gefühle: Wagners „Walküre“ im Kasseler Neujahrskonzert

Besondere Wagner-Momente im Neujahrskonzert: Das Kasseler Staatsorchester mit Cornelia Beskow (Sopran, links), Dirigent Patrik Ringborg und Tenor Michael Weinius. Foto: Schachtschneider

Kassel. Man braucht bei Richard Wagners Opern nicht unbedingt zu sehen, was gerade auf der Bühne geschieht, allein schon die Musik teilt es mit. Besonders deutlich am Anfang der „Walküre“, dem zweiten Teil von Wagners Nibelungen-Tetralogie. Gefährlich hört sich das Vorspiel an, jähe dynamische Wechsel künden von Unruhe und Gehetztsein, und die Geräusche der Windmaschine lassen jene Winterstürme ahnen, von denen später die Rede sein wird.

Kassels Generalmusikdirektor Patrik Ringborg hat den ersten Aufzug der „Walküre“ im Kasseler Neujahrskonzert konzertant als hoch spannendes Drama im Drama präsentiert. Siegmund, gehetzt von Feinden, findet Unterschlupf im Haus von Sieglinde, von der er bald erfahren wird, dass sie seine Zwillingsschwester ist. Sie ist die Ehefrau von Hunding, dessen Leuten Siegmund eben entronnen war. Obdach für eine Nacht – und dann Kampf, kündigt Hunding an.

Doch diese Nacht hat es in sich: Hunding erhält einen Schlaftrunk, die Geschwister erkennen sich und entbrennen in heißer Liebe zueinander, die sie jubelnd feiern. Es ist die Nacht, in der Siegfried, der Held, gezeugt wird.

Dass diese Wagner-Darbietung zu einem ganz besonderen Konzertereignis wurde, ist neben dem Dirigenten Patrik Ringborg und dem in Bestform agierenden Staatsorchester drei herausragende Solisten zu verdanken. Wohl nur wenige Sänger vermögen den komplexen Regungen des tragischen Helden Siegmund so nuancenreich und dabei stimmlich brillant Ausdruck zu verleihen wie Schwedens Ausnahmetenor Michael Weinius.

Die Verzweiflung der „Wälse“-Rufe nach dem unbekannten Vater, das zärtliche Erkennen der Schwester und der triumphale Jubel „So blühe denn Wälsungenblut!“ waren selten so eindringlich zu vernehmen.

Dass Cornelia Beskow dabei ist, eine große Wagner-Sängerin zu werden, zeigte sie als Sieglinde, ihrer ersten großen „Ring“--Rolle: intensiv, mit klarem, leicht dunklem Timbre, blendender Diktion und staunenswerter Stimmgewalt beim finalen Liebesjubel. Nicht nur mit kraftvollem Bass überzeugte Hee Saup Yoon als Hunding. Er verfügt auch über jene Färbungen, die eine Stimme böse und gefährlich klingen lassen.

Bei einer konzertanten Darbietung richtet sich die Aufmerksamkeit naturgemäß verstärkt auf das – hier auf der Bühne stattfindende – Orchestergeschehen. Und das gab großen Anlass zur Freude. Patrik Ringborg erwies sich einmal mehr als Wagner-Dirigent mit außergewöhnlichen Fähigkeiten – mit so reichen klanglichen Nuancierungen, einem derart feinen Gefühl für Timing und Übergänge, aber auch mit solch überwältigenden Momenten hört man Wagner nicht oft. Jubelnder Beifall.

Das Programm wird in gleicher Besetzung am 8. Januar, 18 Uhr, als Sonntagskonzert wiederholt. Karten: Tel. 0561 / 1094-222.

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