Die Kantorei St. Martin führt im Festkonzert zum 50-jährigen Bestehen Mendelssohns Oratorium „Elias“ auf

Die starken Emotionen freisetzen

Kassel. Wer sich in Erinnerung rufen will, welche denkwürdigen Aufführungen die von Klaus Martin Ziegler gegründete Kantorei St. Martin in den vergangenen fünf Jahrzehnten dem Publikum beschert hat, sollte das zum Jubiläum erschienene Buch zur Hand nehmen (siehe Kasten).

Mit ihrem Festkonzert zum 50-jährigen Bestehen am kommenden Samstag, 17 Uhr, in der Martinskirche will die Kantorei mit ihrem jetzigen Leiter Eckhard Manz allerdings vor allem in die Zukunft blicken. Aufgeführt wird Felix Mendelssohn Bartholdys großes Oratorium „Elias“.

Für Manz ist es an der Zeit, mit dem eigentlich wohlbekannten Werk neue musikalische Erfahrungen zu machen. Die alttestamentarische Handlung um den Propheten Elias, der im ersten Teil in der Auseinandersetzung mit den Baals-priestern den Monotheismus manifestiert und im zweiten Teil bittere Niederlagen erfährt, ehe er verklärt wird, diente im 19. Jahrhundert zur Selbstvergewisserung des bürgerlichen Protestantismus - und wurde oft feierlich von Massenchören zelebriert.

Manz und die Kantorei St. Martin wollen demgegenüber den „Elias“ als ein radikal expressionistisches Werk darstellen. In dem die starken Emotionen dieser „Oper im Gewand eines Oratoriums“ (Manz) freigesetzt werden, in dem aber kein machtvolles, sondern ein zugewandt liebevolles Gottesbild dominiert. Für die 60 Kantoreimitglieder bedeutet die gesteigerte Intensität des Singens eine Herausforderung.

Faszinierend findet Manz, der den „Elias“ auch für sich selbst wieder neu entdeckt hat, welch einen werbenden und gewinnenden Ton Mendelssohn anschlägt, wenn er von Gott spricht.

Die Partie des Elias, die gegenüber den anderen Soli exponiert wird, übernimmt Stefan Adam (Bass), ein Sänger, der der Kantorei seit Jahren verbunden ist. Dies gilt auch für Traudl Schmaderer (Sopran) und Elisabeth Graf (Alt), während der Stuttgarter Tenor Andreas Weller zum ersten Mal mit der Kantorei auftritt.

Das 40-köpfige Orchester besteht überwiegend aus Musikern der Kasseler Staatsorchesters. Fotos: Schoelzchen, Socher/nh, nh

Samstag, 17 Uhr, Martinskirche. Karten bei Bauer & Hieber, Tel. 0561/918 88 60, Musikbüro St. Martin, Tel. 0561/28 76 019.

Von Werner Fritsch

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