Razvan Hamza und Jörg Halubek spielten alle sechs Sonaten für Violine und Cembalo

Starker Auftakt mit Bach

Begeisterten das Publikum mit Bachs Sonaten für Violine und Cembalo: Razvan Hamza (Violine) und Jörg Halubek (Cembalo). Rechts im Bild ist der Notenassistent Tobias Geismann zu sehen. Foto: Hedler

Kassel. Die Bestuhlung im Opernfoyer reichte nicht aus, so groß war der Andrang am Montag beim ersten Kammerkonzert des Staatstheaters im neuen Jahr. Es wurde allerdings auch Erlesenes geboten: Staatsorchester-Konzertmeister Razvan Hamza und der Cembalist Jörg Halubek, der seit mehreren Jahren die Kasseler Barockopernprojekte leitet, spielten sämtliche sechs Sonaten für Violine und Cembalo von Johann Sebastian Bach.

Wie grandios diese sechs Sonaten sind – drei in Moll-, drei in Dur-Tonarten –, die leider nicht sehr oft gespielt werden, führten Hamza und Halubek an diesem besonderen Konzertabend vor. Jeder der insgesamt 25 (!) Sätze eröffnete eine eigene Ausdruckswelt und eine spezielle Form des Dialogs der beiden Instrumente.

Dass das Cembalo hier als obligates Instrument eingesetzt ist und nicht nur als Continuo-Begleitung, macht den Reiz dieser Sonaten aus. Wobei die linke Hand des Cembalisten die Bassstimme ausführt, während die rechte Hand im Duo mit der Violine konzertiert. Besonders schön zu hören beim „Andante un poco“ der A-Dur-Sonate, bei der Halubek den Bass mit dem Lautenzug als Zupf-Stimme heraushob – ein feines Extra am klangschönen Instrument des Schauenburger Cembalobauers Jürgen Ammer.

Den Primat hat dennoch die Violine, und dieser Part war bei Razvan Hamza in besten Händen. Über Technik und Intonation braucht man beim Kasseler Konzertmeister nicht zu reden. Bachs Sonaten spielte er mit großer Klarheit, schnörkellos, mit detailscharfer Artikulation, oft im Non-legato. Doch anders als viele Barock-Puristen verschmäht Hamza auch das Vibrato nicht, sondern setzt es, vor allem in den ruhigen Sätzen, wirkungsvoll ein.

Über die Violinsonaten schrieb Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel „... es sind einige Adagii darin, die man heut zu Tage nicht sangbarer setzen kann“. Gerade in diesen Sätzen kam Hamzas dunkel timbrierter Violinton wunderbar zur Geltung. Einen kompetenteren Duo-Partner als Jörg Halubek hätte sich Hamza dabei nicht wünschen können: Sensibilität und Intensität verbinden sich in seinem Spiel, dazu lebhafte Virtuosität, wie etwa im Cembalo-Solosatz der G-Dur-Sonate.

Was soll man herausheben? Vielleicht das freudig-lebhafte „Allegro assai“ aus der A-Dur-Sonate, das komplex-virtuose Finale der E-Dur-Sonate und – natürlich – die feine, sicilianoartige Largo-Einleitung der c-Moll-Sonate, die Hamza und Halubek angesichts des jubelnden Beifalls noch einmal als Zugabe spielten.

Von Werner Fritsch

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