Elf regionale Formationen präsentierten bei Langer Jazznacht große Stilvielfalt

Starker Auftakt des Jazzfestes

Das Upperground-Duo: Ronja Reiff und Thomas Kepper. Foto: Gebhardt

Kassel. Hätte es einen Applausometer als Gradmesser für die Publikumsgunst gegeben, wäre wohl die Brian Scotty Wilson Band um den gleichnamigen Schlagzeuger mit dem Siegerkranz nach Hause gegangen. Dieser vitale Senioren-Ausflug in den Jazz-Rock mit wilden E-Gitarrensoli von Harald Wehnhardt und ekstatischen Saxofonsoli von Hans Rödig hatte es wahrlich in sich: Am Ende des schweißtreibenden zwanzigminütigen Auftritts forderte das Publikum eine Zugabe. Das kam sonst nicht weiter vor und es ließ das strenge Reglement des Abends ohnehin auch nicht zu – es musste ja weitergehen.

Elf Formationen eröffneten am Freitag mit der Langen Jazznacht das vom Förderverein Kasseler Jazzmusik organisierte 22. Jazzfest Kassel im Gleis 1. Und es war einmal mehr faszinierend, wie abwechslungsreich sich die Kasseler Jazzszene präsentiert. Ausflüge ins Experimentelle, ins Atonale gar, waren dieses Mal nicht zu verzeichnen. Modern Jazz, Be Bop, Vocal- und Big-Band-Jazz überwogen. Einen höchst rasanten Abstecher zu den Wurzeln, zum New-Orleans-Jazz, unternahm hingegen das Quartett Hot Four um Klarinettist Dieter Werner.

Eröffnet wurde der Abend locker swingend von der Big Band der Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen. Ebenfalls soliden Big-Band-Jazz boten das Golden Globe Orchestra des Musikzentrums im Kutscherhaus unter Leitung von Albrecht Schmücker. Aufregender waren Slide Connection mit vier Posaunisten (unter anderem Detlef Landeck), die vertrackte Arrangements spielten.

Zu den Highlights zählten die drei Jazzsängerinnen des Abends: Frisch, unbeschwert, mit starker Stimme und Ausstrahlung interpretierten Ronja Reiff und das Quartett Upperground Jazz- und Soul-Klassiker.

Christiane Winning erntete für ihren umwerfenden Scat-Gesang im Duett mit dem famosen Gitarristen Frank Matthäus Beifallsstürme.

Susanne Vogt entführte mit ihrer Band nochmals in die Cool-Ära des Jazz. Große Klasse auch Rey Valencia (Vocal) mit Urban Beyer (Piano), Rolf Denecke und Tobias Schulte als Ricoson: Sie boten kurz vor Schluss feinsten Latinjazz, bevor Do Dat Dere nochmals an den Hard Bob anknüpften und den Abend nach mehr als fünf Stunden großartig beendeten.

Von Andreas Gebhardt

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