Sinfoniekonzert mit dem Kasseler Staatsorchester

Starker Klang mit schrägen Tönen

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Gefeiert: Hornist John Ryan und Dirigent Patrik Ringborg in der Stadthalle.

Kassel. Die Abkehr vom Alltag, das Eintauchen in eine andere Welt: Auch dies macht den Reiz eines Sinfoniekonzerts aus. Diesmal geriet der Eintritt in die ästhetische Dimension besonders suggestiv.

Generalmusikdirektor Patrik Ringborg und das Staatsorchester Kassel eröffneten den Abend in der ausverkauften Kasseler Stadthalle mit „Cantus in Memory of Benjamin Britten“ (1977) für Streichorchester und Glocke des estnischen Komponisten Arvo Pärt.

Mit groß besetzter Streichergruppe und dem expressiven Dirigat Ringborgs wurde das Werk als geradezu ozeanisch wogende Musik zelebriert: ein starkes Klangerlebnis. Es folgte - weniger begeisternd - Mozarts Hornkonzert Es-Dur KV 495 mit dem nicht immer perfekten Gasthornisten John Ryan vom London Philharmonic Orchestra. Eine Delikatesse stand dafür nach der Pause auf dem Programm: Benjamin Brittens Serenade für Tenor, Horn und Streicher (1943).

Der englische Komponist, ein Meister des musikalischen Aquarells, hat in seiner Serenade englische Lyrik aus verschiedenen Jahrhunderten zu fein austarierten Stimmungsbildern gefügt, vom Pastoralen bis zum Nächtlichen und Elegischen. Eindruck machten die „schrägen“ Naturtöne, die John Ryan im Prolog und im Epilog blies, die Dynamik der Streicher und vor allem der irische Gasttenor Robin Tritschler: eine schlanke, klare, sehr britische Stimme, eine wunderbar feinfühlige Darbietung.

Den krönenden Abschluss bildete Mozarts „Jupiter-Sinfonie“ - in einer mehr romantischen als historisierenden Lesart, was eine gewisse Courage erfordert, weil das historisch informierte Musizieren heute ja oftmals als allein selig machende Lehre gilt. Ringborgs Ansatz überzeugte und ließ die dunklen, pathetischen und heroischen Seiten der vielschichtigen Komposition nicht zu kurz kommen. Viel Beifall.

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