Konzert der Komponistinnen-Reihe in der Lutherkirche

Ein starkes Trio

Engagiert: (von links) Joachim Schwarz (Viola), Ullrich Pühn (Flöte), Louise Pühn (Harfe) und Veranstalterin Christel Nies. Foto: Herzog

Kassel. Die Zahlen sprechen für sich: 120 Konzerte mit Werken von über 200 Komponistinnen hat die Kasseler Musikerin Christel Nies innerhalb ihrer Reihe „Komponistinnen und ihr Werk“ seit 1990 veranstaltet. Eine klingende Demonstration weiblichen Musikschaffens, die ihresgleichen sucht. Und die es wert ist, dokumentiert zu werden.

In der Kasseler University Press ist jetzt als vierter Teil einer solchen Dokumentation der Band „Entdeckt und aufgeführt“ erschienen, der nicht nur alle Programme von 50 Konzerten zwischen 2003 und 2010 enthält, sondern auch Essays und die Kurzbiografien von 121 Komponistinnen.

„Entdeckt und aufgeführt“ war auch der Titel eines Konzerts in der Lutherkirche, in dessen Rahmen Christel Nies das Buch vorstellte. Ullrich Pühn (Flöte), Joachim Schwarz (Viola) und Louise Pühn (Harfe) spielten solistisch und in wechselnder Besetzung Werke von Ursula Mamlok (88), Lillian Fuchs (1901-1995) und Betsy Jolas (85), ehe sie sich zum Abschluss bei dem Stück „Garten von Freuden und Traurigkeiten“ von Sofia Gubaidulina (79) zum Trio zusammenfanden.

Als Entdeckung erwies sich insbesondere die „Sonata Pastorale“ für Viola von Lillian Fuchs, in der die klanglichen Möglichkeiten des Alt-Instruments zur Geltung kommen. Eindrucksvoll, wie Joachim Schwarz den zweiten Satz gestaltete, der sich von zarten Klängen zu immer bestimmteren Formulierungen bis hin zur Mehrstimmigkeit entwickelt.

Gekrönt wurde das Konzert indes von dem einsätzigen Werk Gubaidulinas, das von den drei Musikern mit Bravour gespielt wurde.

Faszinierend, wie bei Gubaidulina formale Strenge und Freiheit der Erfindung zusammenwachsen. Scheinbar mühelos entsteht aus so verschiedenen kompositorischen Mitteln wie mikrotonalen Ereignissen und reinen Durakkorden ein musikalisches Konzentrat von großer emotionaler Wirkung. Viel Beifall der 40 Zuhörer.

Von Werner Fritsch

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