Kultursommer Nordhessen

Starsängerin Dianne Reeves begeistert in Kassel

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Verbeugung vor einer großen Stimme: Starsängerin Dianne Reeves inmitten der NYO Big Band. 

Kassel. Es war ein besonderer Kultursommer-Höhepunkt: Die fünffache Grammy-Gewinnerin Dianne Reeves und eine grandiose Band aus Nachwuchsmusikern  begeisterten in der Stadthalle. 

 Jugend forscht – und wird fündig. Das von der New Yorker Carnegy Hall initiierte Big Band Projekt NYO (National Youth Orchestra) präsentierte am Mittwochabend in der gut gefüllten Kasseler Stadthalle das Ergebnis einer vierwöchigen Trainingseinheit, die man als Vorbereitungszeit für eine in diesem Sommer stattfindende Europatournee unter der Leitung des renommierten Jazztrompeters Sean Jones absolvierte.

22 hoch talentierte Jugendliche aus den USA, Jungen und Mädchen im Alter von 16 bis 19 Jahren, die man in einem Auswahlverfahren für den Erfahrungstrip durch europäische Konzerthallen ermittelte, überzeugten mit filigranem Ensemblespiel und fulminanten Soli. Kompositionen von Wayne Shorter („Speak No Evil“), Count Basie („Shiny Stockings“ in einer Bearbeitung von Frank Foster) und John Coltrane („Giant Steps“) hatte man im Gepäck, und mit einer Bearbeitung des Soulklassikers „Got To Give It Up“ von Marvin Gaye dokumentierte man den aktuellen Trend am Big-Band-Firmament, sich allen Musikstilen zu öffnen.

Im Gegensatz zu ihren erwachsenen Kollegen zeigten die „Juniors“ eine Emotionalität, die sich noch nicht an den professionellen Gegebenheiten des Business abgearbeitet hat. Dass sie am Anfang noch um Souveränität und Coolness bemüht waren, ist natürlich der Ehrfurcht vor den Spielstätten und dem musikalischem Erbe zuzurechnen.

Das erübrigte sich aber nach kurzer Zeit und frech und unbeschwert ließen sie ihrer Freude am Geschehen freien Lauf. Da wurde geflachst und getanzt, sich angefeuert und gelacht und Dirigent Sean Jones überließ des Öfteren nach kurzem Einzählen das Pult und freute sich am Bühnenrand über so viel Empathie.

Doch der Ritterschlag sollte noch folgen. Denn als Gastmusikerin hatte sich niemand Geringeres als die fünffache Grammy-Gewinnerin Dianne Reeves der wilden Horde angeschlossen. Als sie die Bühne betrat, spürte man förmlich, wie sich das jugendliche Talent vor der Erfahrung und Reife einer der besten Jazz- und Soulstimmen der Welt verbeugte.

Mit Al Jarreaus „Someday“ eröffnete sie ein Set, das leider durch eine etwas indifferente Soundabmischung nicht alle ihrer stimmlichen Nuancen zum Vorschein brachte. Je dezenter die Band agierte, desto intensiver vernahm man die farbenprächtigen Details, die Reeves Timbre prägen. So geriet „The Windmills Of Your Mind“ (Michel Legrand) zu einem der Höhepunkte des Abends. Mit Ovationen im Stehen wurden nach mehr als zwei Stunden Big-Band-Jazz vom Feinsten die jungen Künstler, ein beseelter Bandleader und eine Vokal-Koryphäe von einem begeisterten Publikum entlassen.

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