Da staubt die Urne: Die Herkuleskeule in der Komödie

Einzeln genauso komisch wie als Team: (von link) Detlef Nier, Brigitte Heinrich und Michael Rümmler von der „Herkuleskeule“. Foto: Zgoll

Kassel. Gutes Kabarett muss nicht immer nur bissig intellektuell sein. Es geht auch anders: frisch, frech, fröhlich, klamaukhaft. So nämlich präsentierte sich das renommierte Dresdner Kabarettensemble „Die Herkuleskeule“.  

Das Ensemble gab ein Gastspiel in der Komödie und sorgte damit für eine Bombenstimmung. Um Rentner, Handys, Angela Merkel, Börsenberatung, Weltuntergang und noch so einiges mehr drehte sich die Blödelfreude. Das Motto: Lachen, wenn einem zum Heulen ist. Sogar schwarzer Humor staubte dabei von der Bühne. Staubte? Ja – und zwar in jenen köstlichen Minuten, als Detlef Nier einen herrlich durchgeknallten Leichenbestatter mimte. Mit diabolischem Grinsen und in der Manier eines fröhlichen Zechers suchte der im Publikum nach neuer Kundschaft. Der makabre Höhepunkt: Immer wenn er kräftig niesen musste, hielt er sich eine Urne unter die Nase. Der staubige Effekt ließ das Publikum vor Lachen prusten.

Schon an dieser Szene wird deutlich, was dieses Kabarett so unterhaltsam macht. Nicht nur über die Texte, Pointen und Lieder punktet das Trio, sondern auch mit hinreichend Komikertalent und kleinen, gut verdaulichen Provokationen. Ob gemeinsam als Trio oder solistisch – Brigitte Heinrich als schräg verrückte Angela Merkel und gestresste Ehefrau, Michael Rümmler als Zeuge Jehovas, Finanzexperte und Witze-Erzähler und Detlef Nier als Bestatter, Märchenfrosch und „Opa Neugebauer“, der sich den Weltuntergang am Fernsehen angucken möchte – alle drei sorgten für Lachsalven und bekamen jede Menge Zwischenapplaus.

Besonders die gespielten Sketche brachten die Dresdner Spaßvögel großartig. Einer davon hätte von Loriot stammen können: Ein älteres Ehepaar am Frühstückstisch. Es geht um das Ei. Nicht, ob es zu hart oder zu weich ist, sondern wie er es essen soll, wenn „sie unterlassen hat, ihm dafür einen Löffel hinzulegen“. Riesenapplaus, zwei Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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