Steffen Hallaschka über seine „ Stern TV“-Moderation , Quotendruck und Günther Jauchs Fußstapfen

Mittwoch, 22.15 Uhr, übernimmt Steffen Hallaschka die Moderation von „stern TV“. Der gebürtige Kasseler löst Günther Jauch ab, der der Sendung fast 21 Jahre lang ein Gesicht gegeben hatte.

Um mit einem Kompliment zu beginnen: Sie haben das Finale des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes im November souverän moderiert. Der Abend war ein großes Vergnügen.

Steffen Hallaschka: Dankeschön, das höre ich gerne. Das ist ja immer nochmal was anderes als im Fernsehstudio, über so eine Strecke auf der Bühne zu stehen.

Inwiefern ist das anders in einem knallvollen Kinosaal in Kassel als vor einer Studiokamera?

Hallaschka: Das ist ein totaler Unterschied. Im Fernsehen wird in anderen Dramaturgien, anderen Rhythmen gedacht. Da sind häufig nur 30-sekündige Moderationen erforderlich. Ein Bühnenprogramm ist ausgeruhter und erfordert eine andere Präsenz. Ich finde es immer besonders spannend, wenn man dem Publikum direkt in die Augen sieht. Terminlich war die Moderation des Dokfestes kaum in meinen Kalender einzubauen, aber ich hab das aus alter Verbundenheit wirklich gerne gemacht.

Um noch ein Kompliment dranzuhängen: Sie sind jetzt beim Marktführer. Herzlichen Glückwunsch. RTL hat die ARD in der Gunst der Zuschauer überholt.

Hallaschka: Ohne mein Zutun, muss ich dazu sagen. Das kann ich mir nicht auf die Fahnen schreiben, aber es ist ein schönes Signal zum Start.

Sie galten als herausragendes Talent des NRD, haben als Vertretung für Barbara Schöneberger beste Kritiken erhalten und doch bei der ARD nie die ganz große Chance bekommen. Hadern die Verantwortlichen bei der ARD damit?

Hallaschka: Das müssten Sie die Verantwortlichen fragen.

Aber es wird doch sicher im Kollegenkreis darüber geredet.

Hallaschka: Nein, ich bin nicht heiß drauf, das Ohr auf die Schiene zu legen und über Dritte mitzukriegen, was so geredet wird. Ich hab mich mit meinen Vorgesetzten darüber unterhalten, und das geschah von vorne bis hinten in kollegialer Verbundenheit. Es weiß jeder innerhalb der ARD, dass „Stern TV“ eine tolle Chance ist und dass ich mir so ein Format gewünscht habe - und konkret auch „Stern TV“ immer gern machen wollte. Da ist kein böses Blut geflossen.

Nun sind Sie „schöner, jünger und größer“, wie Günther Jauch bei der Stabübergabe vorige Woche gesagt hat. Haben Sie inzwischen eine klarere Vorstellung, ob und wie Sie „Stern tv“ inhaltlich neu ausrichten wollen?

Hallaschka: Nein, das wäre auch das falsche Signal. Ich bin ja nicht der Redaktionsleiter. Ich habe das tiefe Vertrauen, dass die Rezeptur der Sendung gut funktioniert. „Stern TV“ kann man auch gar nicht neu erfinden, weil sowieso bislang schon alles möglich war an Sozialreportagen, politischen Themen, sportlichen Aktionen oder Langzeitexperimenten. Was sollte ich da neu erfinden? Auch für die Zuschauer ist wichtig, dass sie die bewährte Sendung in bewährter Qualität präsentiert bekommen. Vielleicht werden sich über die nächsten Monate nur die Akzente leicht verschieben.

Werden Sie in die Arbeit Ihrer Redaktion fest eingebunden? Oder sind Sie „nur“ Moderator?

Hallaschka: Meine Mitwirkung ist schon erwünscht und verabredet. Ich finde, man kann nicht leidenschaftlich moderieren, wenn man sich zwei Stunden vor der Sendung die Kärtchen in die Hand drücken lässt. Es ist enorm wichtig, mitzudenken, mitzudiskutieren, abzuwägen und auch mal sein Veto einzulegen.

Im „Stern“-Interview haben Sie sich zum Auftrag des journalistischen Moderators bekannt, Inszenierungen zu durchleuchten und erkennbar zu machen. Können Sie das bei RTL, wo permanent inszeniert wird?

Hallaschka: Natürlich kann man das. In der ersten Sendung werden wir zum Beispiel über den Vorstoß des CDU-Politikers Jens Spahn reden, dass Zweibettzimmer in Krankenhäusern Standard sein sollen. Da werden wir überprüfen, ob das realistisch ist oder eine dieser Polit-Inszenierungen.

Aber das RTL-Umfeld mit seinen fragwürdigen Pseudo-Dokus ist problematischer als der seriöse NDR.

Hallaschka: Das ist ein Schubladendenken, das mir fremd ist. Ich hätte diesen Senderwechsel nicht gemacht, wenn ich der Meinung wäre, das eine sei Kasperletheater und das andere die große, reine, wahre Schule. So ist es im Alltag nicht. Auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen lebt von Inszenierungen und von Unterhaltung. Da sind sich die Sender im Kern ähnlicher, als sie sich zugestehen wollen.

Als „Stern TV“-Moderator rücken Sie noch weiter ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Schreckt Sie diese Vorstellung? Oder freut es Sie, wenn bunte Blätter Ihr Leben aufmerksamer verfolgen?

Hallaschka: Für mich ist klar, dass ich wie bisher mein Privatleben schützen werde. Ich sehe keinen Anlass, das zu Markte zu tragen. Ich bin ja kein Ensemblemitglied des bunten Blätterreigens, sondern ein journalistischer Moderator. Das ist mein Job in der Öffentlichkeit. In diesem Sinne freue ich mich darauf, wenn jetzt noch mehr Leute von mir Notiz nehmen, weil ich bislang vom Publikum fast immer ein positives Feedback erfahren habe.

Und wenn Zuschauer Sie erkennen und ansprechen?

Hallaschka: Dann freut mich das natürlich, weil das die unmittelbare Bestätigung dafür ist, dass meine Arbeit wahrgenommen und gewürdigt wird. Das ist nun mal so in meinem Job. Wer sich ins Fernsehen begibt, darf sich nicht beklagen, wenn die Menschen das auch sehen.

Fürchten Sie Quotendruck? Was, wenn es Ihnen ergeht wie Kerner nach dem Wechsel vom ZDF zu Sat1, dessen Quoten absolut enttäuschen?

Hallaschka: Da denke ich nicht drüber nach, weil dieser Gedanke mir nicht weiterhilft. Es gibt unbestritten irgendeinen Jauch-Faktor, der sich in Zahlen ausdrücken lassen wird. Er ist nun mal Deutschlands populärster Fernsehmann. Das wiederum macht es dann gleichzeitig für mich kurioserweise ganz entspannt, denn diese Nachfolge wäre für jeden Kollegen schwierig. Und ich glaube, dass namhafte Kollegen, die sich auf einmal mit Jauch vergleichen oder messen lassen müssten, wahrscheinlich sehr viel stärkeren Druck und eine größere Fallhöhe hätten.

Günther Jauch würden die Deutschen zum Bundespräsidenten wählen.

Zur Person

Der gebürtige Kasseler Steffen Hallaschka (39) studierte in Frankfurt und Berlin Ethnologie, Soziologie und Amerikanistik. Er begann beim HR-Jugendprogramm „Radio unfrisiert“, arbeitete in Potsdam beim Hörfunksender RadioEins, ehe er die TV-Moderation des Verbrauchermagazins „Markt“, vertretungsweise der NDR-Talkshow sowie des ARD-Ratgebers Technik übernahm. 2008 zog Hallaschka von Berlin nach Hamburg. Dort lebt er mit seiner Frau Anne-Katrin Gottschling.

Hallaschka: Ja. Zum Bundespräsidenten, zum Papst und zu ihrem persönlichen Anlageberater. Dieses Vertrauen genießt er einfach. Ich kann jetzt nur unter Beweis stellen, dass ich ein ebenso vertrauenswürdiger, glaubwürdiger Moderator bin. Ich weiß, dass beim Sender und bei der Produktionsfirma niemand damit rechnet, dass ich Jauchs Quotenerfolge in den Schatten stelle. Alles andere wäre rein hypothetisch, weil es noch nie einen anderen „Stern TV“-Moderator außer Jauch gegeben hat.

Jauch hat Schuhgröße 45. Aber Sie sind 1,98 Meter groß, ganz klein können Ihre Tritte auch nicht sein.

Hallaschka: Rein nominell bringe ich da noch ein, zwei Schuhgrößen mehr mit. Bei mir pendelt das zwischen 46 und 47. Wenn ich denn tatsächlich in seine Fußstapfen treten würde, blieben von seinen wenig übrig. Aber wir sind ja bei der Metapher. Und da sind seine Fußstapfen natürlich groß.

Sind solche quasi privaten Abstecher wie beim Dokfest künftig noch möglich? Sehen wir Sie im Herbst wieder im Kasseler Bali-Kino?

Hallaschka: Da hab ich den Kollegen vom Dokfest leider wenig Hoffnung gemacht, schlicht aus Termingründen. Es wäre zu kühn, jetzt für den Herbst schon wieder Termine auszumachen.

Von Mark-Christian von Busse

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