Neu im Kino: Tom Hanks und Julia Roberts in der Komödie „Larry Crowne“

Der Stehauf-Mann

Er stellt ihr das Navi richtig ein: Mercedes (Julia Roberts) und Larry (Tom Hanks). Foto:  Verleih

Morgens denkt Larry noch, die Konzernleitung würde ihn im Supermarkt zum Mitarbeiter des Monats ausrufen. Doch die Vorgesetzten haben nur Floskeln für den Abteilungsleiter parat. Weil er nicht studiert hat, könne er nicht befördert werden, das Unternehmen wolle aber niemanden diskriminieren. Klartext: Larry Crowne ist gefeuert. Dann das Gespräch mit der Bankberaterin: Die Schulden auf das Haus übersteigen den Wert deutlich. Klartext: Der finanzielle Ruin. Dass die Scheidung von seiner Frau sein Konto ebenfalls gebeutelt hat, wird am Rande auch noch angedeutet.

„Larry Crowne“ ist ein Mutmachfilm in schweren Zeiten. Eine Wirtschaftskrisen-Komödie über einen Mann, der ohne sein Verschulden ganz unten landet, sich aber mit typisch amerikanischem Optimismus wieder aufrappelt. Um, oh Wunder, am Ende stärker dazustehen, attraktiver auszusehen, einige Stufen der Coolheits-Leiter erklommen zu haben, auf dem Sprung zu einem lukrativeren Job zu sein und natürlich die tollste Frau weit und breit zu küssen. Das ist ganz und gar unüberraschend.

Tom Hanks produzierte und inszenierte den Film, schrieb das Drehbuch mit Nia Vardalos („My Big Fat Greek Wedding“) und spielt selbst die Titelrolle. Und so sind er und seine Gegenspielerin Julia Roberts die einzigen Gründe, warum sich die Komödie anzuschauen lohnt.

Wie Hanks sich selbst als amerikanischer Durchschnittstyp präsentiert, ist wunderbar charmant und voller Understatement. Ein Vorstadt-Normalo im hässlichen grauen Blouson mit der Lesebrille an einem Band um den Hals, der mit schreckgeweiteten Augen beim Tanken auf die Zapfsäule starrt, als Gallone um Gallone Sprit in seinen überdimensionalen SUV gluckert und die Rechnung in astronomische Höhen klettert.

Um sich beruflich neu zu qualifizieren, schreibt Larry sich am College ein, lernt dort die zuckersüße Studentin Talia (Gugu Mbatha-Raw) kennen, die ihn innerlich und äußerlich auf den rechten Weg bringt. Larry büffelt Wirtschaft und Rhetorik.

Schließlich ist da noch Dozentin Mercedes. Julia Roberts zeichnet sie in einem wundervollen Charakterporträt als mürrische Person, die ihren Überdruss in den hängenden Mundwinkeln ausdrückt, ihr dauerquakendes Navi mit lautem Singen im Auto übertönt, anstatt es korrekt einzustellen, und im abendlichen Betrinken ihren einzigen Lichtblick des Tages erlebt. Larry und Mercedes kommen sich näher, Mercedes verlässt ihren großspurigen Versager von Mann und beweist ihr Interesse an dem kauzigen Alt-Studenten, indem sie feierlich in jenem Imbiss speist, in dem Larry als Nebenjob French Toast - die amerikanischen Armen Ritter - backt. Wenn das kein Liebesbeweis ist.

Es ist angenehm und ernüchternd selten, dass eine US-Komödie so auf ein dezidiert erwachsenes Publikum zugeschnitten ist.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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