In seinem fünften Kassel-Krimi lässt Matthias P. Gibert Kommissar Paul Lenz in der Bestatterbranche ermitteln

Der Tod steht ihm eigentlich ganz gut

Autor Matthias P. Gibert. Foto: nh

Vor wenigen Wochen wurde der Kasseler Krimiautor Matthias P. Gibert von einer entsetzten Leserin angerufen. Sie hatte Giberts neuen Roman „Bullenhitze“ nach 20 Seiten empört zur Seite gelegt.

Dort erfährt Kommissar Paul Lenz, dass seine Geliebte, die Ehefrau des Kasseler Oberbürgermeisters, bei einem Unfall auf der A 49 bei Gudensberg gestorben ist. „Das kann doch nicht Ihr Ernst sein“, sagte die Anruferin zu Gibert, der sie schnell beruhigen konnte - denn Maria Zeislinger stirbt dann doch nicht. Lenz war am Unfallort von einem Sanitäter falsch informiert worden, seine Geliebte überlebt schwer verletzt.

Die Ehefrau des Oberbürgermeisters „Schoppen-Erich“ hat nicht nur Lenz’ Herz gebrochen, sondern auch das von Giberts Lesern. Der Hauptkommissar hat ohnehin eine immer größer werdende Fan-Gemeinde. „Bullenhitze“ ist bereits sein fünfter Fall. Die bisherigen Bücher haben sich so gut verkauft, dass Gibert seinen Beruf in der Seminarbranche an den Nagel gehängt hat. Der 49-Jährige lebt jetzt von seinem Hobby Schreiben.

Für das muss er allerdings auch recherchieren. „Bullenhitze“ spielt unter Bestattern, die schon mal über Leichen gehen - und damit sind nicht die Toten gemeint, die sie unter die Erde bringen sollen. „Das Bestattungsgewerbe“, stellt Lenz’ Kollege Hain im Buch fest, „ist ein elendes Haifischbecken.“ Dort hat Gibert undercover recherchiert, wie er sagt. Um die reale Diskussion um den Neubau eines Krematoriums in Hofgeismar hat er einen fiktiven Plot gesponnen, in dem unter anderem eine Verkäuferin, ein Bestatter und ein Bauunternehmer ermordet werden.

Das alles ist flott und spannend erzählt, und manchmal gelingen Gibert auch herrlich groteske Momente. Der Bestattungsunternehmer Wohlrabe etwa macht einen Hausbesuch bei einem Witwer. Doch bevor er mit dem Mann die Einäscherung seiner Frau besprechen kann, wird ihm schlecht, bricht das ganze Badezimmer voll und stirbt einen schleichenden Tod - am Vorabend war er beim Blind Dinner vergiftet worden.

Der Witwer indes bekommt am nächsten Tag Besuch von einem anderen Bestatter, der die tote Frau für seine Firma abwerben will, weil es „beim Wohlrabe ja schon zu normalen Zeiten mehr drunter und drüber ging“. Tote sind hier nicht mehr als eine Ware. Kommissar Lenz wird bis zur Lösung des Falles noch weitere Illusionen verlieren. Und am Ende wird es für ihn mächtig heiß.

Gibert hat mittlerweile schon den sechsten Krimi fertig, der bald erscheint, und sitzt gerade am siebten. Die Stoffe, da hat er keine Angst, werden ihm nicht ausgehen: „Kassel ist so kriminell.“ Nur Maria soll bitte nicht sterben.

Matthias P. Gibert: Bullenhitze. Lenz’ fünfter Fall. Gmeiner-Verlag, 373 Seiten, 11,90 Euro. Wertung: !!!!:

Matthias P. Gibert liest heute, 20 Uhr, aus „Bullenhitze“ in der Buchhandlung Bräutigam, Friedrich-Ebert-Straße 31.

Von Matthias Lohr

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