Steppende Krieger bei „Lord of the Dance“

Perfekte Choreografien: Szene aus „Lord of the Dance“. Foto: Fischer

Kassel. Ein Spektakel: In der Rothenbachhalle in Kassel war die Tanzshow "Lord of the Dance" zu sehen.

Früher hat man noch gestaunt, wenn das Feuerwehrauto des Kinderkarussells an einem vorbeikreiste. Heute sorgt erst ein Drop Tower für Gesprächsstoff auf der Kirmes. Ähnlich gestaltet sich die Entwicklung bei der Tanzshow „Lord of the Dance“, die am Freitagabend in der fast ausverkauften Rothenbach-Halle in Kassel für mächtig Alarm sorgte.

Ein Spektakel, das der in den USA geborene Tänzer Michael Flatley 1996 mit seinem Ensemble erstmals auf der Bühne des Point Theatres in Dublin präsentierte. Inhaltlich handelt es sich um den Kampf des Guten gegen das Böse in der Version einer irischen Legende. Je nach Betrachtungsweise könnte man das aktuelle Programm mit dem Untertitel „Dangerous Games“ als zeitgemäße Bearbeitung oder als kulturellen Plastikmüll bezeichnen.

Wenn allerdings eine Horde steppender Klonkrieger mit synchronisierter Perfektion gegen eine Schar erotischer Nachtclub-Ballerinas antanzt, um das auf einer Videowand projizierte Popkorn-Paradies inklusive Einhorn, Wasserfall und Libellen-Bataillon zu beherrschen, dann ist die Dominanz der Form über den Inhalt nicht zu leugnen. Disneyland lässt grüßen, und der Hinweis, man möge bitte den Merchandise-Stand besuchen, lässt keinen Zweifel an dem Geklapper hinter dem Geklapper. Möglichst viel Geld soll mit der Mischung aus Starwars, Robocop und Harry Potter verdient werden, in der man die Songs inklusive Geigen, Flöte und den Bodengeräuschen der Steppschuhe als Playback mit mächtigem Dolby-Surround durch das Publikum pumpt.

Jenseits der Sinnfrage sorgten die glänzend choreografierten Tanzszenen für reichlich Begeisterung. Wenn auch manches Kostüm an Weihnachtsschmuck erinnerte, die unnahbare Aura der Tänzerinnen der allgegenwärtigen Freizügigkeit einer Crazy-Horse-Revue gewichen ist und einige Motive der 3D-Animation den Begriff Kitsch neu definierten, so überragte die Leistung des Ensembles manchen dramaturgischen Schwachpunkt.

Einige Gäste stellten sich die Frage, ob man Kultur als Cheeseburger servieren muss, damit sie wahrgenommen wird. Doch den meisten Zuschauern gefiel die Aufführung so gut, dass sie mit Ovationen mehrere Zugaben eroberten.

Von Andreas Köthe

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