Ian Doescher hat aus „Star Wars“ ein Shakespeare-Stück gemacht

Sternenkrieger im Vers

Darth Vader in Aktion mit einem Untergebenen: Zeichnung aus dem Buch „William Shakespeares Star Wars“. Foto:  Panini-Verlag/nh

Im All herrscht nicht nur der Imperator, sondern auch der Blankvers. Beim Laserschwertkampf sprechen die Sternenkrieger in rhythmisierter Sprache. Der US-amerikanische Autor Ian Doescher hat die Erkenntnis, dass George Lucas’ Filmepos „Star Wars - Eine neue Hoffnung“ Züge eines klassischen Dramas hat, konsequent zu Ende gedacht. Er hat aus dem Film ein Theaterstück gemacht, in Versen, wie sie in der Zeit William Shakespeares entstanden sein könnten. Es ist der Ursprung eines der populärsten Mythen der Neuzeit und einer sechsteiligen Filmreihe (drei weitere sind derzeit in Arbeit).

Das Stück funktioniert – und ist zugleich witzig und auf nette Art absurd. Das Shakespeare-Potenzial wird klar herausgearbeitet, wie überhöht die Rezeption des Stoffs durch Fans ist, schwingt aber auch mit. Auf Deutsch sind Schiller- und Goethezitate eingebunden worden. Weitere Bände werden folgen.

Die Story handelt – klassischer geht es nicht – von dem jungen Mann, der seine Bestimmung finden muss. Er muss zwischen der Sicherheit der Heimat und der Ungewissheit einer gefährlichen Aufgabe wählen. Später wird er erkennen, wie nah die Impulse, sich für Gut oder Böse zu entscheiden, beieinanderliegen. Könnte ebenso gut von dem berühmten Barden aus dem 17. Jahrhundert sein.

Das klingt in „William Shakespeares Star Wars“ so: „Obi wan (beiseite): Die Macht beginnt in ihm zu wirken nun. (Zu Luke:) Hüter von Frieden und Gerechtigkeit / Waren die Jedi für sehr lange Zeit / Bevor die Republik ihr Ende nahm / Bevor das große, böse Dunkel kam / Und das Imperium die Macht übernahm.“

Ein Chor erläutert die nicht-dialogische Handlung: „Zur Kapsel die Droiden sich begeben / Die kurz darauf mit Schwung das Schiff verlässt.“ Als witzige Randfiguren trumpfen (wie im Film) die Roboter R2-D2 und C-3PO auf. R2-D2 artikuliert sich im Film nur piepend, in Versen liest sich das so: „Badüp fieb biep tawiep“. Wenn es aber ernst wird, kann das datenverarbeitende Tönnchen hier richtig sprechen, „beiseite“, wie es in Theatersprache heißt, also für sich. Und sagt etwa „Beinah möcht’ ich die feste Zunge lösen auf ein Wort“. Gepiept wird nur nach außen – eine hübsche Doppelbödigkeit.

Ian Doescher: „William Shakespeares Star Wars – Fürwahr, eine neue Hoffnung“, Panini, 192 Seiten, 14,99 Euro.

Von Bettina Fraschke

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