Besser geht es nicht: Das Ensemble Cantus Cölln bot bei den Musiktagen ein perfektes Konzert

Sternstunde der Vokalkunst

Tiefes Verständnis: Das Ensemble Cantus Cölln - sein Leiter Konrad Junghänel (Laute), Georg Poplutz, Wilfried Jochens (beide Tenor), Wolf Matthias Friedrich (Bass), Elisabeth Popien (Alt) und Nele Gramß (Sopran). Foto: Schachtschneider

Kassel. Mit „Baci“, leicht dahingetupften Küssen, ging am Dienstagabend in der Martins-kirche ein Konzert der Musiktage zu Ende, das Vokalkunst auf höchstem Niveau bot, wie man sie nur selten zu hören bekommt.

Das fünfköpfige Ensemble „Cantus Cölln“, an der Laute begleitet von seinem Leiter Konrad Junghänel, sang Musik von Heinrich Schütz und deutschen Zeitgenossen. Nele Gramß (Sopran), Elisabeth Popien (Alt), Georg Poplutz, Wilfried Jochens (beide Tenor) und Wolf Matthias Friedrich (Bass) agierten in einer so perfekten Weise miteinander, dass jede Kritik sich verbietet - und das, obwohl Gramß und Poplutz für zwei erkrankte Stammsänger des Ensembles eingesprungen waren.

Die Abstimmung innerhalb des Quintetts klappte vom ersten Moment an, das Verständnis für die Musik der alten Meister war so tief, dass jedes durch die Komposition gegebene Hervortreten einer Stimme ein leichtes Zurücktreten der anderen bedingte. Die Intonation war unzweifelhaft, die Dynamik abwechslungsreich und doch nie affektiert oder gar überzogen.

Mehr als 500 Zuhörer wurden Zeugen dieser Sternstunde und hatten noch einen guten Lerneffekt, denn Heinrich Schütz erweist sich mit Stücken aus dem Ersten Madrigalbuch, das er als eine Art Gesellenstück in Venedig als Eleve Giovanni Gabrielis komponiert hat, als ein Meister der weltlichen Musik. Anders als sein Mäzen Landgraf Moritz, dessen Werke am Sonntag in der Brüderkirche zu hören waren, ist Schütz ein großer Verwandler von Text in Musik. In der von Cantus Cölln gesungenen Auswahl zeigte sich dies am stärksten in „D’orrida selce alpina“, der musikalischen Darstellung eines steinernen weiblichen Herzens, bei der man noch heute zu frieren beginnt.

Auch die Stücke aus Johann Hermann Scheins Sammlung „Israelis Brünnlein“ waren Entdeckungen, verstand es der mit Schütz fast Gleichalte doch ebenso, ein Maximum an Affekten aus (hier geistlichen) Texten in Töne zu setzen. Das überaus angetane Publikum klatschte und trampelte heftig.

Von Johannes Mundry

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