Das Multitalent László Moholy-Nagy im Gropius-Bau in Berlin

Stets offen für Neues

Wie ein abstraktes Gemälde: Fotografie von László Moholy-Nagy vom Berliner Funkturm aus dem Jahr 1928. Foto: Gropius-Bau/nh

Berlin. Berliner Stillleben 1931: Katzen und Kakteen auf Fensterbänken. Kohlen werden geschippt. Kinder spielen auf der Straße. Straßenbahn und Pferdekutsche. Immer wieder nimmt der Regisseur Hinterhöfe ins Visier, abgeblätterten Putz und die abstrakten Muster, welche sich ergeben.

Der Stummfilm dauert neun Minuten. Er wurde gedreht von László Moholy-Nagy, dem Multitalent, das auf vielen Gebieten experimentierte. Der Maler und Fotograf wirkte als Bühnenbildner, Regisseur sowie in den Bereichen Skulptur, Werbegrafik, Industriedesign. Ein Gesamtkunstwerker, der alle Lebensmomente in einer Synthese zu vereinen suchte.

Nach seiner Emigration gründete er 1937 die Designschule „New Bauhaus“, später das „Institute of Design“ in Chicago, wo er bis zum Leukämie-Tod 1946 im Alter von 51 Jahren lebte und wirkte. Als Bauhaus-Lehrer war der Ungar einst nach Weimar berufen worden. Zuvor hatte er prägende Jahre in Berlin verbracht. Seine Tochter wurde dort 1933 geboren. 1934 flüchtete er unter dem Druck der Nazis.

Hattula Moholy-Nagy kam extra aus den USA, um die schöne Ausstellung zum Werk ihres Vaters „László Moholy-Nagy. Kunst des Lichts“ im Martin-Gropius-Bau zu eröffnen. Moholy-Nagy war ein Pionier experimenteller Fotografie und Vordenker heutiger Medientheorien, der das „Schreiben mit Licht“ propagierte und Fotogramme (Fotografie ohne Kamera) entwickelte. Auch in seiner Malerei probierte er neue Materialien aus. Viele Gemälde sind zu betrachten, von denen einzelne an Bilder Malewitschs erinnern. Aber sein Durst nach Transparenz, die sich frei macht vom Darstellungsdruck, und seine Experimentierfreude mit Kunststoff, Zelluloid, Plexiglas als Trägermaterialien bringt eine eigene Note hervor.

„Kunst ist die komplexeste, vitalste und für den Zivilisationsprozess bedeutendste der menschlichen Handlungen“, befand Moholy-Nagy: „Somit ist sie von biologischer Notwendigkeit. Durch Intensität ihres Ausdrucks und unter Einbeziehung verschiedener Erfahrungsebenen regt Kunst das Beste im Menschen an.“ Er war eben auch Pädagoge.

Das Neue zu schaffen, war für den Mann aus Südungarn oberstes Gebot. Die Kunst müsse sich neuen Zeiten, einer neuen Zivilisation stellen und nicht alte Kamellen - in Form von Abbildung des Gegenständlichen - umsetzen. Eine Einstellung, die der eines Erfinders gleicht, nicht dem heute verbreiteten Erfolgsdrang: Wie werde ich Millionär?

Bis 16.1., Niederkirchnerstr. 7, www.gropiusbau.de

Von Andrea Hilgenstock

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