Regisseur Hans Neuenfels wird heute 70

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Sorgte für einen Skandal: Neuenfels’ Berliner „Idomeneo“, bei dem abgeschlagene Köpfe von Religionsgründern wie Buddha und Mohammed gezeigt wurden. Foto: dpa

Regisseure werden heute oft an den Skandalen gemessen, die ihre Inszenierungen ausgelöst haben. Da kann Hans Neuenfels mit einigem aufwarten. Zum Politikum wurde seine Berliner „Idomeneo“-Inszenierung. In der Mozartoper werden am Ende die abgeschlagenen Köpfe von vier Religionsstiftern gezeigt, darunter Mohammed.

Intendantin Kirsten Harms setzte 2006 die Wiederaufnahme an der Deutschen Oper ab - aus Angst vor islamistischen Anschlägen. Legendär ist auch seine Frankfurter „Aida“ (1981) mit der Titelheldin als Putzfrau samt einer Grillhähnchenschlacht. Und im vorigen Jahr ließ er bei seiner Bayreuther „Lohengrin“-Inszenierung das Volk von Brabant in Rattenkostümen auftreten.

Dennoch ist es Neuenfels, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, nie um den Skandal gegangen. Er steht vielmehr für einen klassisch modernen Inszenierungsstil, der immer nach dem hinter der Handlung verborgenen Thema sucht, nach dem Subtext von Text und Musik.

In einem „Spiegel“-Interview sagte er: „Wir versuchen, das Geschehen auf der Bühne eben nicht deckungsgleich zu machen mit der Musik, sondern den gesellschaftlichen und historischen Hintergrund zu zeigen und ihn bis in unsere Gegenwart hinein zu verlängern.“

Dabei kam der in Krefeld geborene Regisseur und Autor über das Schauspiel zur Oper. Nach Studium in Wien und erfolgreichen Tätigkeiten an vielen Bühnen mit Schwerpunkt in Frankfurt wurde Neuenfels von 1986 bis 1990 Intendant der Freien Volksbühne Berlin. Dem Schauspiel ist er als Regisseur verbunden geblieben.

Hans Neuenfels, der in Berlin lebt, ist mit der Schauspielerin Elisabeth Trissenaar verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Benedict wurde als Kameramann bekannt.

Von Werner Fritsch

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