Stilistisch überladen: Bettina Fraschke über den neuen „Polizeiruf 110"

Natürlich hat der Genre-Meister Dominik Graf im deutschen Film und Fernsehen Maßstäbe in der Kriminalerzählung gesetzt.

Tolle Idee also, den Starregisseur und seinen Drehbuchautor Günter Schütter für das Debüt von Ermittler Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) im neuen Münchner „Polizeiruf 110“ zu engagieren. Doch: „Cassandras Warnung“ ächzt unter der Überfrachtung mit künstlerischem Anspruch.

Der Film ist vollgestopft mit einander überlagernden Tonspuren, die zu einem nervenden Geräuschgewirr verschmelzen, mit wichtigen Informationen, die viel zu beiläufig eingestreut werden, um sie als Fernsehzuschauer schnell einordnen zu können, und einer rätselhaft bleibenden Nebenhandlung. All dies erschwert das Verstehen arg. Das wiegt auch die tolle Schlusspointe nicht auf. Außerdem gibt die Folge dem neuen Ermittler nur wenig Raum, sich vorzustellen.

Matthias Brandt brilliert trotzdem. Gerade indem er diesem aufgebauschten Erzählstil seine reduzierte Spielweise entgegensetzt. Bemerkenswert fein und präzise. Und immer von einer gewissen Einsamkeit umgeben. Davon bitte mehr. fra@hna.de

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