Dominic Miller und Band im Schlachthof

Im musikalischen Gespräch: Dominic Miller Foto: Fischer

Kassel. Man weiß, dass Gitarrist Dominic Miller zu der Band von Sting gehört. Dass er aber in Buenos Aires geboren wurde und die ersten zehn Jahre in Argentinien lebte, muss man schon recherchieren. Bei seinem Konzert im Kulturzentrum Schlachthof allerdings konnte man das auch eindrucksvoll vernehmen.

Mit Keyboarder Mike Lindup (Level 42), Percussionist Rhani Krija (Keziah Jones) und Nicolas Fiszman (Trilok Gurtu) am E-Bass präsentierte er eigenes Songmaterial, das sich aus südamerikanischen Klang-räumen, Rhythmen und Emotionen speist. Folkloristische und weltmusikalische Strukturen spielen dabei keine Rolle.

Die Ideen gleichen eher einer Floßfahrt durch den Dschungel, bei der sie sich von einem iPhone navigieren lassen. Moderne Jazz-, Pop- und Funkharmonik bestimmen den Kurs. Hallbewegungen, Synthieflächen, akustische Gitarrenarpeggien und ein mit Rods (Bambussticks) gespieltes Drumset zeichnen die Umgebung. Oft glitt man über stilles Wasser, überließ die musikalische Bewegung der der Ruhe innewohnenden Ästhetik.

Dabei wirkten die Stücke fragmentarisch, völlig losgelöst von Zielvorgaben und Struktur-Besessenheit. Dann wiederum legte man sich in die Riemen, trieb mit komplexen Takteinheiten den Spaß an der synchronen Fortbewegung auf den Höhepunkt.

Bei einigen Songs verstärkte Lindup mit sanft oszillierenden Gesangslinien die Räumlichkeit der Arrangements und Miller übernahm mit reduzierten Soli die Formvorgaben seiner Mitspieler. So entwickelte sich das Konzert zu einem faszinierenden Gespräch unter grandiosen Instrumentalisten, bei dem man nur bei „Fields of Gold“ (Sting) und einem Beatles-Remake kurzzeitig in die popmusikalische Normalität abschweifte.

Nichts anderes als lang anhaltender Applaus wäre den Musikern gerecht geworden. Und der wurde ihnen auch nach mehreren Zugaben zuteil.

Von Andreas Köthe

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