Mendelssohns Oratorium „Paulus“ erklang auf lebendige Weise in der Christuskirche

Dem Ruf der Stimme gefolgt

Aufpeitschende Momente: Der Kammerchor Vox humana und die Kantorei Wilhelmshöhe-Brasselsberg unter der Leitung von Stephan Herrmann. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Es war ein besonderer Moment: Zum festlichen Abschluss des Oratoriums „Paulus“ erhoben sich die Zuhörer, um in die Wiederholung des zentralen Chorals einzustimmen. „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ erklang nochmals in der voll besetzten Christuskirche. Besser hätte an jenem Abend des Pfingstmontags das christliche Gemeinschaftsgefühl nicht ausgedrückt werden können.

Mit Bedacht hat Felix Mendelssohn Bartholdy den Wachet-auf-Choral in sein Oratorium eingeflochten. Denn das Werk berichtet von der Geschichte des Paulus von Tarsus, der sich vom Verfolger des Christentums zum Apostel der Völker wandelte und den christlichen Universalismus begründete. Eine Religion, die für jeden offen ist - das war die welthistorische Eingebung von Paulus, der dem Ruf der Stimme folgte.

Schon beim langsamen Teil der Ouvertüre zeigten Kirchenmusikdirektor Stephan Herrmann und die Instrumentalisten (Spohr-Kammerorchester und Bläser des Staatsorchesters) ihre überzeugende Werksicht: Man vermied ein schleppendes, allzu weihevolles Tempo. Auch im Folgenden bewies der Dirigent seinen Sinn für das Fließende, den Rhythmus und die Dramatik in Mendelssohns Musik.

Solist An setzte Glanzpunkte

Geradezu aufpeitschend ertönte der Chorsatz „Dieser Mensch hört nicht auf zu reden Lästerworte“. In bestem Licht, reaktionsschnell, sicher bei Einsätzen präsentierten sich der Kammerchor Vox humana und die Kantorei Wilhelmshöhe-Brasselsberg (Leitung: Stephan Herrmann und Uta-Verena Kröhn-Herrmann). Vom Orchester kam die ganze Palette vom Streicher-Akzent über Kantilenen der Holzbläser bis zum Blechbläser-Glanz.

Bei den Gesangssolisten setzte Johannes An Glanzpunkte: Der Staatstheater-Tenor hat, was man mit einem unschönen Begriff als edles Stimmmaterial bezeichnet, außerdem verfügt er über gestalterische Intelligenz. Helmut Weckesser (Bass) sang mit großem Engagement, Traudl Schmaderer (Sopran) zeigte trotz Erkältung ihre sängerische Klasse. Langen Applaus gab es für die lebendige Aufführung.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.