Der Schlager- und Filmstar Freddy Quinn wird 80 - und ist abgetaucht

Die Stimme des Heimwehs

Junge, komm bald wieder - Freddy Quinns großer Hit von 1963 bekommt in die-   sen Tagen eine völlig neue Bedeutung: Heute feiert der Mann, der über Jahrzehnte wie kein anderer Seefahrerromantik verkörperte, seinen 80. Geburtstag, aber niemand weiß, wo er sich aufhält. Sein Management ließ zwar mitteilen: „Freddy wohnt nach wie vor in Hamburg, und es geht ihm gut.“ Er werde aber nirgendwo zu seinem Geburtstag auftreten.

Vor drei Jahren hatte sich der Sänger und Entertainer aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und angekündigt: „Freddy Quinn wird es nie wieder öffentlich geben.“ Daran hat er sich gehalten, auch zu seinem 80. Geburtstag,

In seiner langen Karriere hat Freddy Quinn auf perfekte Weise vorgeführt, wie in der Showbranche ein Image zur zweiten Identität werden kann. Denn der Showstar, der sich in Musicals wie „Der Junge von St. Pauli“ (1970) und „Große Freiheit Nr. 7“ als Inbegriff des Hamburger Jungen präsentierte, stammt in Wahrheit aus Niederösterreich. In dem Dorf Niederfladnitz wurde er am 27. September 1931 als Manfred Franz Eugen Helmuth Nidl geboren und ist österreichischer Staatsbürger. Ein „Makel“, den er später einmal mit der Bemerkung wegwischte, immerhin sei er in Hamburg gezeugt worden.

In den 50er-Jahren kam Quinn nach Hamburg. Zur See gefahren sei er „nie so richtig“, bekannte er später, aber auch das verhinderte nicht, dass er den heimwehkranken Seemann so glaubhaft verkörperte wie niemand sonst.

Seine erste Platte „Heimweh“ (1956) verkaufte sich acht Millionen Mal, und Titel wie „Heimatlos“ (1958), „Unter fremden Sternen“ (1960), „La Paloma“ (1962 und eben „Junge, komm bald wieder“ (1963) hielten ihn in der Erfolgsspur. Dazu kam eine Kinokarriere mit Filmen wie „Freddy, die Gitarre und das Meer“ (1959). Regelmäßig unternahm er Ausflüge in die Zirkuswelt - der umherziehende Artist passte gut zum heimatlosen Seemann.

Was machte Freddy, der 60 Millionen Tonträger absetzte, so erfolgreich? Natürlich seine dunkel timbrierte Stimme, die Männlichkeit und Sentimentalität zugleich ausstrahlt. Auch seine Selbststilisierung als einsamer Kämpfer - die langjährige Beziehung mit seiner 2008 gestorbenen Managerin Lilli Blessmann hielt er aus diesem Grund stets geheim.

Schwer traf es ihn, der sich als zwar rauer, aber geradliniger Bursche präsentierte, als er 2004 wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe und 150 000 Euro Geldbuße verurteilt wurde. Das passte überhaupt nicht zum Bild des ehrlichen Kerls. Unter Tränen bat er seine Fans damals um Verzeihung.

Doch die hatten wohl längst gelernt, die Kunstfigur vom realen Menschen zu trennen. Mag der alternde Star nun auch untergetaucht sein - der singende Freddy wird nie vergehen.

Von Werner Fritsch

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