Zum 85. Geburtstag des Schriftstellers Erich Loest

Stimme Leipzigs

Erich Loest Foto:  dapd

Ich werde nie wieder ein dickes Buch schreiben, ich bin zu alt. Wir Greise können doch keine 400 Seiten mehr überblicken“, bekannte der Schriftsteller Erich Loest im letzten Jahr freimütig.

Im Lebensweg des heute vor 85 Jahren in Mittweida bei Chemnitz geborenen Autors spiegelt sich exemplarisch die leidvolle jüngere deutsche Geschichte. Zwei totalitäre Regime hinterließen ihre Spuren: Als Jugendlicher wurde er von den Nazis angeworben. Diesen Fehltritt wollte er in den Gründerjahren der DDR durch Linientreue kompensieren, doch die Ausschreitungen des 17. Juni 1953 führten zu einer ideologischen Wende.

Erich Loest war zu dieser Zeit bereits ein respektierter Autor, Vorsitzender des Leipziger Schriftstellerverbandes. Er gehörte zu den vehementen Kritikern nach dem blutig niedergeschlagenen Ungarn-Aufstand und wurde zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt, die er in Bautzen absaß.

Die bewegte Vita hat der verwitwete Vater dreier Kinder, der 2009 mit dem deutschen Nationalpreis ausgezeichnet wurde, stets als Eckpfeiler für die Arbeit genutzt. Seine Wahlheimatstadt Leipzig war in vielen Romanen („Völkerschlachtdenkmal“, „Nikolaikirche“, „Reichsgericht“) der Handlungsort.

Unter dem Pseudonym Hans Walldorf hat er etliche Kriminalromane geschrieben. Eine möglichst große Authentizität war ihm stets wichtiger als der geschliffene Stil.

Auch auf die jüngsten Werke des Autors, der von 1994 bis 1997 dem Verband deutscher Schriftsteller vorstand, trifft dies uneingeschränkt zu. So auch auf seinen 2009 erschienenen Roman „Löwenstadt“. Zum 85. Geburtstag ist im Steidl Verlag nun ein Tagebuchband mit dem humorvollen Titel „Man ist ja keine Achtzig mehr“ erschienen.

Von Peter Mohr

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