Domfestspiele

So stimmig wie stimmungsvoll: „Evita“ in Bad Gandersheim

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Temperamentvoll: Das Ensemble der „Evita“-Inszenierung mit Franziska Schuster (vorn) in der Hauptrolle.

Bad Gandersheim. Gerade am WM-Final-Wochenende eine argentinische Geschichte auf der Bühne der Bad Gandersheimer Domfestspiele – da stimmte das Timing von Intendant Christian Doll.

Auch das Wetter, stets unberechenbarer Mit-Dramaturg bei Freilichtaufführungen, bescherte den ausverkauften Rängen mit der „Evita“-Premiere einen der unvergesslichen Theatersommerabende, die man sich für das Festival immer wünscht.

Begeisterungsrufe und brausender Applaus belohnten eine stimmungsvolle, in allen Facetten von Schauspiel, Gesang, Musik und Tanz stimmige Inszenierung dieses auch fast 40 Jahre nach seiner Uraufführung beliebten Musicals.

Craig Simmons (Regie) und Tom Dittmann (Dramaturgie) hielten sich zwar sehr solide an die Musical-Fassung von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice (Übersetzung: Michael Kunze), gaben der Inszenierung jedoch einen ganz eigenen Anstrich, indem sie die widersprüchliche Persönlichkeit Eva Peróns besonders herausarbeiteten. Auch die minimalistische Ausstattung (Kati Kolb) setzt durchdacht diesen Fokus. Für musikalische Lebendigkeit sorgt Heiko Lippmann bewährt mit der Festspiel-Band durch viele Tango- und Samba-Rythmen.

Die nächsten Termine: 
15., 17. - 20. Juli, 26., 27., 31.Juli

Karten: Tel. 05382/73777

Franziska Schuster verkörpert die Hauptrolle ideal. Sie spielt und singt die Evita mit fester Stimme als 15-jähriges Kraftbündel so glaubwürdig wie die elegante, machtbesessene Präsidentengattin. Dazwischen, durch eine kleine Brüchigkeit in der Stimme oder ein Verschleiern der ansonsten blitzenden Augen, wunderbar abgestufte Nuancen von Befindlichkeiten. Wunderbar Schusters unterschiedliche Interpretationen des berühmten „Wein’ nicht um mich, Argentinien“, triumphierend auf dem Höhepunkt ihrer Macht und später verhalten als bereits Todgeweihte.

Ebenbürtiger Gegenpart, in der Rolle wie als Darsteller, sehr stark Patrick Stamme als Che, der als Moderator wütend aufrührerisch, aber auch verzweifelt mahnend durch das Stück führt. Mit seiner vollen, wohltönenden Stimme erntet auch er Zwischenapplaus und ist erkennbar der Liebling des Publikums.

Zurückgenommen Hardy Rudolz als in den Händen Evas schwächlicher und schwankender Juan Perón. Rudolz fungiert in der Inszenierung gleichzeitig als Choreograf. Temperamentvolle Tanzszenen des auch im Gesang hervorragenden Ensembles, aber auch wunderbare „Duelle“ zwischen Eva und Juan sowie Eva und Che sind ihm zu verdanken.

Zu erwähnen ist auch unbedingt die 12-jährige Lisa Magdalena Renders von der Sing-Akademie Hardegsen, die mit einer erstaunlichen Stimme und bemerkenswert selbstbewusst das Kind in einer Krankenhaus-Szene verkörpert.

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