Stimmungsvoll und wortkarg: Yann Tiersen im Kulturzelt Kassel

Klänge voller Gegensätze: Yann Tiersen bei seinem Auftritt im Kasseler Kulturzelt. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Yann Tiersen ist bekannt für seine Filmmusik zu „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und „Good Bye, Lenin“. Nun gab der Multi-Instrumentalist aus der westfranzösischen Bretagne ein faszinierendes Konzert im rappelvollen Kulturzelt. So wortkarg der 45-Jährige auftrat, so stark war der Sog seiner musikalischen Stimmungsbilder.

Das Einzige, was von ihm an Zwischenansagen kam, war hin und wieder ein kleines „Vielen Dank“. Er verzichtete sogar darauf, seine Mitmusiker Lionel Laquerrière, Ólavur Jákupsson, Robin Allender und Neil Turpin vorzustellen. Ungewöhnlich im Kulturzelt, aber der Normalfall bei einem Klassikkonzert, denn da wird bekanntlich auch nicht viel geredet.

So hieß es eintauchen in einen Musikstrom, der mal sanft dahinplätscherte, mal heftig anschwoll. Starke Gegensätze zwischen laut und leise prägten das Klangbild. Es gab elegische Songs, traurige Walzer, groovige Reminiszenzen an die Minimal Music und krachende Entladungen. Bei relativ einfachen harmonischen und melodischen Zutaten sorgte die breite Palette an Klangfarben für Vielschichtigkeit. Tiersen präsentierte sich am Piano wie ein Seelenverwandter von Erik Satie, konnte aber auch an der Geige rocken und bediente noch eine ganze Reihe anderer Instrumente bis hin zur Melodica.

Vom Schlagzeuger Neil Turpin abgesehen, wechselten auch die übrigen Musiker ständig die Instrumente. Die Band schuf mit akustischen und elektronischen Klangerzeugern ein suggestives Kopfkino.

Hier das zarte Tremolo einer Ukulele, dort warmer Synthie-Sound oder ein helles Glockenspiel. Hinzu kam sanfter Männergesang. Besonders sonor: die Stimme des von den Färöer-Inseln stammenden Ólavur Jákupsson.

Einen großen Bogen von 75 Minuten spannte Tiersen mit seiner bestens eingespielten Band. Das Publikum jubelte und bekam noch eine Viertelstunde an Zugaben. Das erste Dessert servierte der bretonische Klangmaler allein am Piano. So leise und zart, dass ein Handy im Auditorium nicht zu überhören war.

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