Pop aus Ägypten: Elton Johns Musical „Aida“ feierte Premiere bei den Bad Gandersheimer Domfestspielen

Stoff, aus dem die Träume sind

Ausweglose Liebe: Nikolaj Alexander Brucker als Radames und Schirin Kazemi als Aida. Foto:  Jelinek

Bad Gandersheim. Zwei Liebende, die sich nicht haben dürfen, denen ihr gemeinsames Glück verwehrt wird, die sich ihren verfeindeten Familien und Völkern nicht widersetzen möchten und schließlich nur im Tod vereint sein können. Tragik, Romantik, große Gefühle. Der Stoff, aus dem so viele Träume sind, hat auch dieses Mal nicht enttäuscht. Das Pop-Musical „Aida“ hat am Donnerstagabend bei den Gandersheimer Domfestspielen mit einem begeisterten Publikum eine ausverkaufte Premiere gefeiert.

„Jede Fabel und Geschichte, jedes Drama, jedes Stück, handelt von demselben Thema: Was ist Liebe? Was ist Glück?“ Gleich zu Beginn stellt Pharaonentochter Amneris die seit Menschengedenken immer wiederkehrenden Fragen, die auch die nubische Prinzessin Aida nicht zu beantworten vermag.

Im Jahr 1550 vor Christus wird Aida (Schirin Kazemi) als Sklavin nach Ägypten verschleppt. Sie verliebt sich in den bereits an Amneris (Julia Lißel) vergebenen ägyptischen Heerführer Radames (Nikolaj Alexander Brucker). Er soll nach dem Willen seines intriganten Vaters Zoser (Alexander Wipprecht) den Pharao beerben, Aida soll ihr versklavtes Volk zurück in die Freiheit führen.

Doch Aida und Radames scheitern nicht zuletzt aufgrund ihrer Gefühle füreinander und werden schließlich gemeinsam lebendig begraben.

Lose Grundlage für das Musical von Elton John und Tim Rice, die bereits für „König der Löwen“ zusammen gearbeitet hatten, bildet die 1871 von Giuseppe Verdi auf Wunsch des ägyptischen Vizekönigs Ismail Pascha komponierte, gleichnamige Oper.

Regisseur Achim Lenz setzt in seiner Gandersheimer Inszenierung von Beginn an auf Reduktion – zugunsten der Musik, die in unverkennbarer Elton-John-Manier von Reggae- bis hin zu Soul-Elementen (musikalische Leitung: Heiko Lippmann) reicht – und auf die an sich bereits gefühlsbeladenen Geschichte. Eine fast leere Bühne, der Dom im Hintergrund als zentrales Element. Lediglich ausgewählte Requisiten (Bühnenbild: Birgitta Weiss) wie dezente, ägyptisch anmutende Skulpturen und Bilder verweisen auf den Ort des Geschehens. Und auch Choreografie (Kati Farkas) und Kostüme (Kostümbild: Verena Mohrig) sind schlicht gehalten: angedeutete Bewegungen, helle Leinenstoffe, klare Schnitte.

Umso mehr Raum verschafft der Regisseur damit seinem Ensemble – und das zahlt sich aus. Die ausdrucksstarke Schirin Kazemi überzeugte als Aida konstant und über zwei Stunden hinweg schauspielerisch und gesanglich und harmonierte mit ihrem Partner Nikolaj Alexander Brucker, der Radames sowohl eine harte Schale als auch einen weichen Kern verleiht. Julia Lißel als Sympathieträgerin Amneris unterhielt mit vielseitigem Spiel. Das Publikum bedankte sich für die glatt gelaufene Inszenierung mit Steh-Applaus. Bisweilen hätte aber vielleicht auch eine kleine Ecke oder Kante mehr nicht geschadet.

Viele Termine bis 7. August, Karten: Tel. 05382-73777, www.gandersheim.de, Link Domfestspiele.

Von Belinda Helm

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