Ärger mit den Eltern: Der Teensclub des Staatstheaters zeigte eigenes Stück im tif

Im Strafraum toben die Gefühle

Genervt: Die Schauspieler des Teensclub am Staatstheater spielten bei der Premiere am Sonntag mit starken Emotionen. Foto: Polk

Kassel. Die Scheinwerfer beleuchten ein paar Gestalten im ansonsten dunklen Bühnenraum. Ein Schrei durchbricht die Stille, verzweifelt, schrill, wütend: „Nein, nein, nein, ich will nicht in den Strafraum.“ Elektrobeats begleiten 23 Jugendliche zu einer fast panischen Rennerei auf der Suche nach einem Platz, wo sie bleiben können.

Was die 12- bis 15-Jährigen des Teensclub am Staatstheater bei der Premiere ihres Stückes „Strafraum“ im tif temporeich und energiegeladen zeigten, kennen viele von ihnen sicher aus ihrem Alltag. Da sind die kleinen Vergehen gegen die Vorstellungen von Eltern und Erziehern. Mal ist es die Fünf in Mathe, mal eine gefälschte Unterschrift. Auf dem Boden sitzend wetteifern die Jugendlichen in roten Hemden und Jeans, applaudieren einander, wenn ein besonders spektakuläres Vergehen beschrieben wird. „Ich habe meine Mutter beleidigt, als ich betrunken nach Hause kam“, sagt ein Mädchen, die anderen johlen.

Die Verfehlungen werden mit Strafen geahndet, für die Betroffenen vollkommen unverständlich. Sie sollen die Bräuche anderer Kulturen nachempfinden, eine Aufgabe, die sie zusammenschweißt. Nur so kommen sie wieder frei aus dem Strafraum.

Um Emotionen geht es in dem Stück, die die Jugendlichen bei der Lösung ihrer Aufgaben begleiten. Sie haben auf der völlig leeren Bühne viel Platz. Konkurrenzkampf und Gezicke untereinander, und laut herausgeschriene Beschreibungen ihres Seelenzustands: Lächerlich und klein fühlen sie sich, gemobbt, gereizt, ungerecht behandelt.

Schließlich formiert sich die Gruppe und sagt den Erwachsenen, was sie sich wünscht. „Hör mir doch bitte mal zu. Ich bin doch nicht blöd. Trau mir doch mal was zu.“ Das Spiel der Truppe unter Leitung von Raphaela Kurz war authentisch, die Wut spürbar. Als die Darsteller am Ende mit geballten Fäusten direkt auf die Zuschauer losrennen, heben einige in der ersten Reihe die Hände zur Abwehr.

Von Ilona Polk

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