Gemeinsames Album „Der Holland Job“

Interview mit Gangster-Rappern Haftbefehl und Xatar: Von der Straße an die Chartspitze

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Die Dimension war klar, als Haftbefehl und Xatar Anfang Mai plötzlich während der Pro7-Sendung „Studio Amani“ fluchtartig die Show verließen.

Schnell brach in sozialen Netzwerken eine Diskussion darüber aus, ob das wohl der Startschuss ist für ein gemeinsames Projekt der beiden Gangster-Rapper.

Unter dem Bandnamen Coup ist nun „Der Holland Job“ erschienen. Wir sprachen mit den beiden Rappern am Telefon über:

ihre Beziehung zu Kassel 

„Klar, Kassel kenn’ ich. Da hab’ ich früher meine Haschisch-Pakete hingefahren“, erklärt der gut gelaunte Offenbacher Haftbefehl von seiner kriminellen Vergangenheit. Auch Xatar ist Nordhessen bekannt. „Ich hatte da mal eine Schießerei auf der Autobahn nach einem Auftritt, das war vor sieben Jahren“, schildert Xatar, der bürgerlich Giwar Hajabi heißt.

Der Vorfall ereignete sich 2009 im Anschluss an ein Konzert des Frankfurter Rappers Azad in einer Korbacher Diskothek, bei dem der damals noch kommerziell wenig erfolgreiche Xatar das Vorprogramm bestritt. Im Anschluss an das Konzert war es zu einer Schlägerei zwischen Xatar, dessen Entourage und Konzertbesuchern gekommen.

Auf dem Rückweg nach Kassel feuerten dann in Höhe der Abfahrt Auestadion aus einem dunkelblauen Ford Fiesta mit Korbacher Kennzeichen Unbekannte Schüsse auf das Auto, in dem sich vier Personen aus dem Umfeld des Rappers befanden. Dem Attentat entkam Xatar, da er kurz zuvor mit einem anderen Wagen zum Hotel aufgebrochen war.

kriminelle Karrieren 

Seine kriminelle Vergangenheit als Koksdealer sieht Haftbefehl mit gemischten Gefühlen. „Der Vorteil ist, dass wir mehr zu erzählen haben als andere Rapper und unsere Songs authentisch sind“, berichtet Haftbefehl, der 2006 wegen einer drohenden Haftstrafe nach Istanbul geflüchtet war. „Dadurch habe ich die Möglichkeit, junge Leute zu erreichen und sie vor einer kriminellen Karriere zu warnen.“

„Der Holland Job“ 

„Wir haben sehr lange an dem Album gearbeitet“, erklärt Xatar. „Als es fertig war, hatten wir dann die Idee, zusätzlich einen Kurzfilm zum Album zu produzieren. „Ich feiere die Platte extrem, das geht mir selten so.“

„Mein letztes Album ,Russisch Roulette’ war ja sehr Trap-lastig. Xatars Album ,Baba aller Babas’ klang hingegen eher nach New-York-Rap der 90er. Mit ,Der Holland Job‘ haben wir jetzt die Mitte gefunden. Wir haben den klassischen New-York-Sound, aber auf einem zeitgemäßen Level“, fügt Haftbefehl hinzu.

die Flüchtlingskrise 

„Meine Familie und ich sind aus dem Iran nach Bagdad geflüchtet“, erzählt Xatar. „Von da aus dann nach Frankreich, wo wir lange im Asylheim lebten. Später sind wir nach Deutschland gebracht worden. Auch wegen des Berufs meines Vaters, der als Komponist hier sofort einen Job bekommen hat. Deshalb war es uns wichtig, dieses Thema auf dem Song ,AfD’ anzusprechen. Denn wir haben eine Stimme und werden gehört. Das haben viele der Flüchtlinge heute leider nicht.“

Coup: Der Holland Job (Four Music). Wertung: fünf von fünf Sterne

Zu den Personen

Haftbefehl: Geboren am 16. Dezember 1985 als Aykut Anhan in Offenbach, Sohn eines Kurden und einer Türkin. 2006 floh er wegen einer drohenden Haftstrafe nach Istanbul. Später betrieb er ein Wettbüro in Offenbach. Bei Universal veröffentlichte der 30-Jährige zuletzt sein Album „Russisch Roulette“.

Xatar: Geboren am 24. Dezember 1981 als Giwar Hajabi im Iran. Die Familie flüchtete nach Deutschland. Erregte 2009 Aufsehen mit der Beteiligung an einem Geldtransporter-Überfall. Betreibt das Label Alles oder Nix und veröffentlichte seine Biografie „Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir“.

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