Streaming-Dienste läuten die nächste Revolution im Musikgeschäft ein

Der Sound kommt aus der Datenwolke: Mit Streaming-Diensten wie Simfy kann man seine Musik überall hören, ohne Dateien herunterladen zu müssen. Montage: Trolp

Wahrscheinlich wäre es dem wehmütigen Helden Floyd aus „Absolute Giganten" besser gegangen, wenn er den Internetdienst Simfy gekannt hätte. „Es müsste immer Musik da sein, bei allem, was du machst.

Und wenn’s so richtig scheiße ist, ist wenigstens noch die Musik da“, sagte der Schauspieler Frank Giering 1998 in Sebastian Schippers Kinodrama.

Zwölf Jahre später ist aus diesem Wunsch Wirklichkeit geworden. Streaming-Dienste wie Simfy und Spotify erlauben es Musikfans, überall und jederzeit auf ihre Lieblingslieder zuzugreifen - Voraussetzung ist lediglich eine schnelle Internet-Verbindung.

Simfy, verspricht das von zwei Kölner Studenten gegründete Unternehmen, „ist Musik, da, wo sie sein sollte“ - überall, sofort und kostenlos. Die Nutzer laden keine Dateien mehr auf ihren Rechner und können auch keine CDs mehr brennen, sondern hören die Musik per Stream, also als Strom aus der virtuellen Datenwolke des World Wide Web. Cloud Computing macht riesige Festplatten überflüssig. Das Angebot, mit dem man auch eigene Playlisten erstellen kann, ist kostenlos und finanziert sich durch Werbung. Premium-Nutzer hören ihre Musik für 9,99 Euro im Monat ohne Werbeunterbrechung und dann auch auf dem Smartphone.

In Musik-Blogs ist seit Monaten vom Streaming als „dem nächsten ganz großen Ding“ zu lesen. Daniel Ek, Mitgründer des schwedischen Dienstes Spotify, sagt euphorisch: „Musik muss wie Wasser fließen. Sie muss allgegenwärtig sein.“

In Deutschland fließt über seinen Dienst allerdings bislang keine Musik, weil sich die Skandinavier noch nicht mit der Verwertungsgesellschaft Gema einigen konnten. Dafür startete im Mai Simfy sein Angebot. Die Seite soll bald Zugriff auf mehr als sechs Millionen Songs aller vier großen Plattenfirmen bieten. Derzeit sind es 4,5 Millionen Titel, täglich kommen 60 000 hinzu. Laut Sprecher Marcus von Husen hat Simfy bereits 1,7 Millionen Nutzer.

Das Unternehmen ist aus einem Studienprojekt an der Uni Mannheim hervorgegangen und bot zunächst Preisvergleiche für Downloads an. Nun könnten Simfy und Co. bezahlten Musik-Downloads den Rang ablaufen, wie US-Marktanalysten prophezeien.

Tatsächlich war es noch nie so einfach, neue Musik zu entdecken. Es bleibt allerdings die Frage, wie Künstler und Plattenfirmen mit Streaming-Diensten Geld verdienen können. Blogger haben ausgerechnet, dass ein Lied auf Spotify fünf Millionen Mal gespielt werden müsste, damit ein Solokünstler 1000 Euro bekommt.

„Kostenloses Streaming ist für die Musikindustrie nicht positiv“, sagt Edgar Bronfman, Chef von Warner Music. Bei Simfy gibt es sämtliche Warner-Künstler wie Madonna und Johnny Cash darum im kostenpflichtigen Angebot.

Wer dafür Geld ausgibt, wird sich allerdings fragen, was mit seinen Songs und Alben passiert, wenn es den Dienst einmal nicht mehr geben wird. Dann ist die Musik nicht mehr überall, sondern nirgends.

Von Matthias Lohr

Hintergrund

Der ganz legale Weg zu mehr als sechs Millionen kostenlosen Liedern ist einfach. Man muss sich lediglich auf der Internetseite www.simfy.de mit einer E-Mail-Adresse und einem Passwort registrieren. Im kostenpflichtigen Premium-Account kann man seine Playlisten auch offline über ein Smartphone hören. D

azu werden die Songs verschlüsselt und sind nur von der Simfy-Anwendung zu erkennen. Ähnlich funktioniert die Seite www.steereo.de. Noch nicht in Deutschland zu erreichen ist der schwedische Marktführer spotify (www.spotify.com). (mal)

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