Abschluss der Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“ mit Kunst, Musik und Literatur

Streben nach dem Paradies

Finale einer ambitionierten Reihe: Hinten von links: Christel Nies (Stimme), Gabriele Heppe-Knoche, Klaus Angermann (Vorstand Gerhard-Fieseler-Stiftung) und Julia Okruashvili (Klavier). Vorn von links Katalin Hercegh (Violine) und Milen Krastev (Kunst). Foto: Malmus

KASSEL. Schon wieder vorbei? Dachte man bei der letzten Veranstaltung der Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“ in diesem Jahr. Seit Mai waren Gedankenfelder zum Thema „Landschaften“ angelegt worden, war ein dichtes Geflecht zwischen (neuer) Musik, Wort und bildender Kunst entstanden. Kulturverächter würden dies wohl als intellektuell abtun. Umso erfreulicher, dass ein treues Publikum alle acht Termine goutierte.

Hundert Besucher waren diesmal gekommen. Nach einleitenden Worten von Sabine Stange vom Projektteam und Klaus Angermann von der Gerhard-Fieseler-Stiftung, die den Abend gefördert hatte, wurden Ideen zum Leitmotiv „Suchen“ entwickelt.

Pfarrerin Gabriele Heppe-Knoche las Goethe („Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh’n“), Erich Fried sowie den biblischen Bericht über Mose und das gelobte Land: „Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollst nicht hinübergehen.“

Zur Thematik passte ausgezeichnet das Klavierstück „L’Isle Joyeuse“ von Claude Debussy, erzählt es doch von einer mythologischen Glücksinsel. Pianistin Julia Okruashvili spielte es virtuos, doch richtig froh wurde man beim Zuhören nicht: Die schnellen Klaviertöne verschwammen in der halligen Akustik.

Das Suchen und die Funde avantgardistischer Musik zeichnete Vokalistin Christel Nies engagiert mit lautmalerischen Experimenten der 60er- und 70er-Jahre nach, etwa mit Luciano Berios „Sequenza III“. Geigerin Katalin Hercegh glänzte mit einer Etüde von Jörg Widmann und präsentierte im Duo mit Okruashvili Debussys Violinsonate. Durch eine hoch differenzierte Interpretation bekam das bekannte Werk den Reiz des Neuen. Es wäre eine hübsche Utopie, dass Klassik immer so intensiv gespielt wird.

Komplett machte den Abend eine Installation aus dem „Projekt Milenotopia“ von Milen Krastev, der in seiner Arbeit von vielfältigen Gedanken geleitet ist, etwa von der Diskrepanz zwischen dem Streben nach dem Paradies und dem Scheitern an der Realität. Der Künstler schreibt: „Aufstieg und Fall stehen immer eng beieinander.“

Von Georg Pepl

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