Street-Art-Künstlerin Barbara klebt uns eine

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Was verboten ist, macht sie gerade scharf: Plakate der Street-Art-Künstlerin Barbara.

Mit komischen Plakaten macht sich die Streetart-Künstlerin Barbara über Verbote, Hass und die AfD lustig. Nun wurde sie für den Grimme Online Award nominiert.

Die Karriere der Künstlerin, die sich nur Barbara nennt, begann mit einem Hakenkreuz. Sie war noch ein Kind, als ihr Großvater ihr das Nazi-Symbol an einer Häuserwand zeigte und erklärte, wofür es steht. Am nächsten Tag klebte das Mädchen einen Zettel mit einer lachenden Sonne über das Hakenkreuz.

Im Prinzip macht Barbara solche Sachen bis heute. Sie verfremdet Verbotsschilder, geht mit Sprachwitz gegen Hass sowie Fremdenfeindlichkeit vor und kontert omnipräsente Werbung im öffentlichen Raum mit lustigen Plakaten. Ihre Facebook-Seite „ich bin barbara“, auf der sie ihre Werke postet, hat fast 450 000 Fans. Nun wurde sie neben Stars wie dem Satiriker Jan Böhmermann sogar für den renommierten Grimme Online Award nominiert.

Wer Barbara ist, weiß niemand. Ihr eigentlicher Beruf, ihr Alter und ihr Aussehen sollen nicht ablenken von dem, was sie tut, heißt es. Klar ist nur, dass Barbara eine Frau ist und vor einigen Jahren von Berlin nach Heidelberg gezogen ist. Dort und in anderen Städten mischt sie sich meist gegen halb zehn Uhr morgens unter die Werktätigen und klebt allen eine - im übertragenen Sinn.

In Hamburg schrieb sie etwa unter ein verkehrt herum gemaltes Hakenkreuz: „Arme Wurst aus Altona, maltest diesen Blödsinn da, voller Hass, dazu noch dumm. Hakenkreuz geht andersrum.“ An eine Laterne vor der Dresdner Semperoper klebte sie den Vers: „Dresden ist schön, doch noch viel schöner wär’s ohne Pegida und mit etwas mehr Döner.“

In den wenigen Interviews, die Barbara anonym gibt, sagt sie, dass sie sich herausgefordert fühle von den vielen Botschaften in den Städten, „die dir etwas verkaufen oder verbieten wollen“. Deutschland, hat sie festgestellt, habe „eine besonders ausgeprägte Ordnungskultur“.

Das sehen ihre Fans ähnlich. Immer wieder bekommt Barbara Anfragen, ob sie nicht mal in dieser oder jener Stadt plakatieren könne. Im Grunde braucht jede Stadt jemanden wie Barbara, der das Leben mit ein bisschen Kleben schöner macht. Meistens fällt ihre Kunst nach wenigen Tagen der Witterung zum Opfer.

Barbara verbindet kongenial analoge sowie digitale Kultur und zeigt, dass Humor eine gute Waffe gegen Hass sein kann. Den Staatsoberhäuptern dieser Welt rät die Künstlerin, „sich vor jedem Treffen erst mal einen kleinen Witz zu erzählen, um die Stimmung aufzulockern“. Denn: „Niemand will jemanden schlagen, über dessen Witz er eben noch schmunzeln musste.“

www.facebook.com/ichwillanonymbleiben

Street-Art-Künstlerin Barbara klebt uns eine

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