Kurt Krömer in der Göttinger Stadthalle

Kurt Krömers Publikum lässt sich gerne beleidigen

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Kurt Krömer 

Kurt Krömer ist einer von den Komikern, die nicht gerade zimperlich im Umgang mit dem Publikum sind, das mussten am Sonntag auch die Zuschauer in Göttingen feststellen. 

Göttingen. Kurt Krömer steht noch keine fünf Minuten auf der Bühne, und schon tun einem die Menschen in der ersten Reihe der Göttinger Stadthalle leid: „Hässlich seid Ihr. Wirklich hässlich. Pfui Teufel! Das Publikum altert schneller als ich.“ Beleidigt ist niemand. Im Gegenteil, das Publikum lacht, applaudiert. Es hat Karten für Kurt Krömer gekauft und weiß, was es von dem Komiker in dem spack sitzenden karierten Blazer erwartet. Wer zu Kurt Krömer geht, lässt sich beschimpfen, mag Pöbeleien, derbe Sprüche und kann viel aushalten – vor allem aber hat man Spaß an dem, was die cholerisch-ehrliche Haut aus Berlin-Neukölln von sich gibt.

Und das war am Sonntag in dem anderthalbstündigen Programm „Stresssituation“ jede Menge: Lehrer, Helikopter-Eltern, Veganer und der IS („Ich lehne Vegetarier ab, fahre deshalb aber noch lange nicht mit meinem Auto in ein Tofu-Regal bei Alnatura“), Sondierungsverhandlungen („Deutschland das größte Wartezimmer der Erde – ohne Lesezirkel“) , AfD („Ich habe noch die Hoffnung, dass sich Alexander Gauland, der Lord Voldemort der AfD, die Maske vom Gesicht reißt und darunter ist Hape Kerkeling“).

Am stärksten ist Krömer, der auf der Bühne wie in seiner TV-Show an einem Tisch sitzt und sich ab und an ungelenk auf dem Boden verrenkt, um etwa zu zeigen, wie er sich in einer Sitzbadewanne wäscht, was in einer Kerzen-Position endet – wenn er direkt mit dem Publikum agiert. Als er von einem 17-jährigen Zuschauer auf sein Selfie-Angebot eine Abfuhr erhält und diesen dann zurechtweist, entsteht köstliche Schadenfreude. Dazu Krömers aufbrausendes Mienenspiel, das ganz nah rangezoomt auf der Leinwand wirkt wie ein Presslufthammer. So kennt man den Komiker, dessen Kunstfigur man im wahren Leben wohl eine Überkompensation diagnostizieren und Abstand von ihr halten würde.

Doch: Auf der Bühne kann er im zweiten Teil den Stress-pegel nicht halten. Die Show funktioniert dennoch – auch, als er sein Gebiss in ein Reinigungsbad legt und den Schaum umherspritzt. Der 43-Jährige kommt an, weil er nicht Mainstream, nicht brav und nicht angepasst ist. Langer Applaus.

Kurt Krömer: Sommer im Park, Vellmar, 26.8., 19 Uhr, Kartentelefon: 0561 / 203 204.

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