Tilda Swinton in dem italienischen Oberschicht-Porträt „I Am Love“

+
Annäherung: Emma (Tilda Swinton) und Antonio (Edoardo Gabbriellini) in einer Bar.

Ums Fallen und Aufstehen geht es in dem italienischen Oberschichts-Drama „I Am Love“. Eine reiche Frau beginnt, sich selbst kennenzulernen, was sie jahrelang versäumt hat.

Dieses Thema inszeniert Regisseur Luca Guadagnino wuchtig und subtil mithilfe seiner exzellenten Hauptdarstellerin, Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton („Michael Clayton“).

Guadagnino will „I Am Love“ als Abhandlung über den Schmerz dieser Frau verstanden wissen. Er nimmt sich Zeit für die Lethargie im Alltag einer Mailänder Industriellenfamilie. Mühelos wird Swinton hier zu einer beinahe unsichtbaren Upperclass-Hausfrau. Routiniert kreisen Emma Recchis Gedanken um die Tischdekoration, jeder Handgriff sitzt. Eingekeilt in ihre Pflichten, hat sie die notwendige Anpassung längst vollzogen und ist sich ihrer familiären und repräsentativen Verantwortung so bewusst, dass eine aktive Befreiung der Ehefrau und Mutter unmöglich ist.

Die Kreationen des jungen Kochs Antonio (Edoardo Gabbriellini) aber rütteln in ihr Emotionen wach. In Tilda Swintons Gesicht lässt sich ablesen, wie verschüttet diese waren. Als sie dann beginnt, den Koch als Mann wahrzunehmen, kommt die Kamera ins Wackeln, sinnbildlich dafür, wie Emma die festen Bahnen verlässt.

Regisseur Guadagnino liebt Kontraste, den eleganten Fluss der Bilder im Alltag der Industriellengattin im Gegensatz zum unruhigen Flackern in den Augen, als eine Ahnung die Neugier weckt.

Der Regisseur hat die Rolle für Tilda Swinton geschrieben und mit ihr sieben Jahre an der Vollendung des Projekts gearbeitet. Faszinierend die Ähnlichkeit zwischen Swinton und Alba Rohrwacher, die ihre erwachsene Tochter spielt. Die Innigkeit dieser Beziehung bildet den eigentlichen Kern der Handlung, während die männlichen Familienmitglieder zu Statisten verkümmern.

Bilder von Echtheit und Intimität sorgen dafür, dass man sich als Zuschauer zeitweise für seine Anwesenheit schämt. „I Am Love“ ist schwülstig, stilvoll und besitzt eine gewisse Strenge in der Linienführung.

Klar wird aber, es geht nie um die Affäre als solche oder den Liebhaber, sondern vielmehr um ein Sichtbarmachen von ehrlichen Gefühlen für sich selbst. (tx)

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.