Die Ausstellung „Freitag 17.“ zeigt moderne Kunst in der Bonifatiuskirche

Ein Stück vom Himmel

Himmel auf dem Altar: von links Carola Keitel, Mehtap Baydu, Andrea Nehring, Andrea Froneck-Kramer und Jian He. Foto: Mangold

Kassel. Fernseher in der Kirche, ein Kunstwerk auf dem Tisch des Herrn, ein Koffer aus Brot neben dem Weihwasser - zur ungewöhnlichen Ausstellung „Freitag 17.“ lädt die St.-Bonifatius-Kirchengemeinde mit der Katholischen Hochschulgemeinde Kassel ein. Fünf Künstler mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln stellen in der Kirche am Wesertor aus.

„Ich lade Sie ein, ein Stück Blau mit nach Hause zu nehmen“, sagte Andrea Nehring bei der Vernissage. Sie schuf aus Wolkenbildern „Das blaue Fenster“, 1000 dünne bedruckte Papierbögen, die auf dem Altar liegen. Die Besucher dürfen sich ein Exemplar mitnehmen. Ihr gefalle die Idee, ein Stück Himmel in die Kirche zu bringen und von dort in die Stadt, in die Häuser und zu den Menschen, erklärt Nehring.

Der direkte Bezug zu den Besuchern ist gewollt: „Es ist mehr als eine Ausstellung, es ist der Versuch, dass Künstler mit ihrer Arbeit in Kommunikation treten mit Gläubigen“, erklärt Wolfgang Spiegel, Pastoralreferent der Hochschulgemeinde. Die Künstler werden auch in den sonntäglichen Gottesdiensten anwesend sein und sie mit prägen.

„Ich finde das außerordentlich spannend“, meint Pfarrer Peter Bulowski. Autonome Kunst in einen sakralen Raum zu bringen, sei ein Wagnis für die Kirchengemeinde und für die Kunstschaffenden. Spannung entfaltet sich auch zwischen dem Raum und dem Werk der türkischen Künstlerin Mehtap Baydu, das Männer beim islamischen Freitagsgebet zeigt. Der ungewöhnliche Ausstellungsort gefällt der Künstlerin: „Wo der Mensch ist, soll auch die Kunst sein“, sagt sie.

Ihre Skulptur, ein Koffer aus Brot, versteht sie als Zeichen der Globalisierung, in der Menschen flexibel auf Anforderungen in der Arbeitswelt reagieren müssen. Sie erinnert an die türkischen Gastarbeiter, die vor 50 Jahren mit einem Koffer nach Deutschland kamen, um ihr tägliches Brot zu verdienen.

Dass Familie aus Kommunikation und Emotion besteht, zeigt die Wandinstallation von Andrea Froneck-Kramer „Geigen fällt aus“: 900 knappe Botschaften auf bunten Notizzetteln geben Einblick in große und kleine Geschichten des Lebens. Videoinstallationen von Carola Keitel und Jian He laden zum Verweilen ein. Ein Hemd aus Reispapier des Chinesen, das neben den Beichtstühlen schwebt, und Keitels Klanginstallation regen zum Nachdenken an. „Diese Arbeiten verweisen allesamt auf für uns Menschen Wesenhaftes“, erklärt Spiegel. „Die Kraft, mit der sie dies tun, ist so direkt und eindringlich, entziehen kann man sich kaum.“

Bis 3. Juli, täglich 10 bis 18 Uhr. Wer Begleitung wünscht, wende sich an Wolfgang Spiegel, Tel. 0170-5786118.

Von Bettina Mangold

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