Baden feiert seinen 900. Geburtstag mit einer kurzweiligen Landesausstellung in Karlsruhe

Stündlich ruft der Kuckuck

Sehnsuchtsort im dunklen Tann: Plakat „Deutschland im Schwarzwald“ um 1929. Alle Fotos: Landesmuseum Karlsruhe, Goldschmidt/ nh

Dass Baden weit mehr zu bieten hat als die zu den Markenzeichen des Landes gewordenen Kuckucksuhren und Trachtenhüte mit roten Wollbollen, veranschaulicht eine unterhaltsame Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe. Anlässlich des 900. Geburtstags des Musterländles sind 400 Objekte aufgeboten. Sie erzählen Geschichten aus und über Baden vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Den Grund zum Feiern präsentiert die Schau gleich zu Beginn: Die anno 1112 ausgestellte Urkunde mit der Ersterwähnung Badens. Harald Siebenmorgen, Direktor des Landesmuseums, erklärt: „Das historische Land Baden ist ein Kunst- und Zufallsgebilde. Das im Mittelalter eher provinzielle Land wandelte häufig, je nach Heiratsschlüssen und Erbteilungen, die Zusammensetzung des Territoriums.“ Seine heutige Ausdehnung von Mannheim und Heidelberg bis Freiburg und Konstanz verdankt es Napoleon, mit dessen Unterstützung Baden 1806 zum Großherzogtum aufstieg.

Die bis 1918 währende Epoche des Großherzogtums ist Schwerpunkt der Schau. Denn was in dieser Zeit „geschehen ist, bildet bis heute den wesentlichen Bezugspunkt für eine badische Identität“, wie die Ausstellungskuratoren Oliver Sänger und Isabelle Dupont erläutern. Ihre Geschichten über bedeutende Ereignisse und große Persönlichkeiten erzählen sie mit jeweils wenigen, aber aussagekräftigen Exponaten. So wird mit der „Patentschrift für den Benz-Motorwagen“ (1886) auf den Kraftwagenkonstrukteur Carl Benz hingewiesen. Ein weiterer großer badischen Erfinder war Karl Drais. Er stellte seine zweirädrige Laufmaschine, den Urtyp des Fahrrads also, 1817 der Öffentlichkeit vor. Gezeigt wird eine Laufmaschine aus seinem Nachlass. An ihr sind die Schwarz-Rot-Gold-Farbstreifen der Badischen Revolution freigelegt worden. Nach deren Niederschlagung hatte man sie übermalt.

Die Unruhen von 1848/1849, mit denen die Untertanen der Staaten des Deutschen Bundes die nationale Einheit und eine freiheitliche Verfassung durchsetzen wollten, begannen und endeten in Baden. Auf einem Flugblatt aus dem badischen Waldeshut stehen die vier Hauptforderungen der Revolutionäre: Pressefreiheit, Bürgerwehren, Schwurgerichte und ein deutsches Parlament.

Während wenig bekannt sein dürfte, dass das Fußballfachmagazin „Kicker“ in Konstanz gegründet wurde, Maggi-Suppenwürze in Singen abgefüllt wird und der Alleskleber „Uhu“ aus Bühl kommt, bringen wohl alle die Kuckucksuhr mit dem Schwarzwald in Verbindung. Ihr Erscheinungsbild verdanken wir dem für die Eisenbahn tätigen Architekten Friedrich Eisenlohr. Der Großherzoglichen Badischen Uhrmacherschule Furtwangen lieferte er 1852 den Entwurf für einen Uhrenkasten im „Bahnhäusle“-Stil. Kuckucksuhren sind bis heute ein Verkaufsschlager. Höhepunkt der Ausstellungsinszenierung und badischer Selbstironie ist denn auch eine mit unzähligen Kuckucksuhren geschmückte Wand.

Von Veit-Mario Thiede

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