Reinhard Goebel und die Bayerische Kammerphilharmonie beschlossen die Kasseler Musiktage

Ein stürmischer Ausklang

Makelloses Spiel trifft auf Energiebündel: Violinistin Mirjam Contzen und Dirigent Reinhard Goebel mit der Bayerischen Kammerphilharmonie im Kasseler Opernhaus. Foto: Zgoll

Kassel. Es war ein großartiges Festival, und es war ein Fest der Violine: Viele spannende Erlebnisse boten die Kasseler Musiktage, die am Sonntag ihren Abschluss im Opernhaus fanden. Das Festivalmotto „Immer Ende – Immer Anfang“ wurde dabei nochmals deutlich.

In die gärende Epoche um 1750 führte das Programm mit Sinfonien für Streicher und Generalbass der Bach-Söhne Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel und Johann Christoph Friedrich. Voller Überraschungen steckt dieser schwer zu benennende Stil zwischen Barock zur Klassik. „Sturm und Drang“ lautet eine aus der Literatur entlehnte Verlegenheits-Bezeichnung, die zumindest seine Exzentrik trifft.

Am Pult der Bayerischen Kammerphilharmonie stürmte und drängte der Dirigent und Alte-Musik-Star Reinhard Goebel (62), ein Energiebündel, das mit lebhaften Gesten den Werken seinen Stempel aufdrückte. Straff, treibend und akzentuiert ließ er aufspielen.

Das war durchaus markant, wenn auch etwas einseitig: Für das freie Atmen der Musik blieb in diesem von rhythmischer Strenge und schnellen Tempi geprägten Ansatz wenig Platz. Eine brillante Ergänzung zu den Bach-Söhnen bildete dann das Violinkonzert d-Moll des 13-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy, ein 1822 entstandenes Werk mit noch vielen Anklängen an das 18. Jahrhundert.

Glasklares Spiel

Die Solistin Mirijam Contzen spielte makellos, glasklar in Klang und Artikulation - ein würdiger Abschluss für den Violin-Schwerpunkt der Musiktage. Viele der 850 Gäste hätten wohl gern eine Zugabe von ihr gehört, leider verzichtete sie darauf.

In der zweiten Konzerthälfte gab es dann eine echte Rarität - allerdings eine, die die Welt nicht unbedingt braucht. Goebel und die Augsburger Streicher machten sich stark für die „Grande Sinfonie caractéristique pour la Paix avec la République française“ von Paul Wranitzky (1756-1808).

Die 1797 in Wien uraufgeführte Sinfonie für den Frieden mit dem revolutionären Frankreich erwies sich als ebenso bilderreiches (Schlachtmusik!) wie substanzarmes Stück und erzeugte mehr historisches als musikalisches Interesse.

Sie demonstrierte vor allem, wie stark die Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven ihre mittelmäßigen Zeitgenossen überragt haben. Langer Beifall folgte im Opernhaus, aber kein Triumph.

Von Georg Pepl

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