Das Vogler Quartett spielte Haydn, Schulhoff und Dvoák zum Auftakt der Kasseler Kindermusik-Tage

Subtile Kammermusik

Volle Konzentration: Das Vogler Quartett spielte in der Kasseler Sparkasse, von links Stephan Forck (Violoncello), Tim Vogler (Violine) Stefan Fehlandt (Viola) und Frank Reinecke (Violine). Foto: Socher

Kassel. Das Vogler Quartett, seit sieben Jahren Fels in der Brandung der Nordhessischen Kindermusiktage, hatte am Sonntagabend zur Eröffnung der diesjährigen Ausgabe noch einen verhältnismäßig planbaren Abend, bevor von heute bis Donnerstag vier Aufführungen der Oper „Die zertanzten Schuhe“ anstehen.

Nach einem Empfang mit Kostproben eines Kinderkonzerts vor allerdings weitgehend kinderfreiem Publikum bot das Berliner Streichquartett, das schon seit 25 Jahren zusammenspielt, ein ganz „normales“ Programm.

Eine Herausforderung

Zur Normalität eines Streichquartetts gehört Joseph Haydn (1732-1809). Dessen letztes vollendetes Quartett F-Dur op. 77, Nr. 2 ist eine Herausforderung. Keine Formation, die damit bestehen will, darf es unterschätzen. Und bei den „Voglers“ (Tim Vogler, Frank Reinecke, Stefan Fehlandt und Stephan Forck) herrschte höchste Alarmstufe von Anfang an - mit exquisitem Ergebnis.

Die erforderliche Leichtigkeit des Spiels stand auf der unverbrüchlichen Basis eines Dienstes am Werk. Und dieser Dienst heißt Zusammenspiel ohne solistische Allüren. Als Beispiel sei das zartumflorte Andante genannt, wo die erste Geige mit ihren rasanten Figuren und das Cello mit einer wehmütigen Melodie in innige Zwiesprache eintreten.

Das sich hier aufzeigende Ende der Wiener Klassik fand im ersten der „Fünf Stücke für Streichquartett“ von Erwin Schulhoff (1894-1942) seine unmelancholische Reminiszenz. Ein schöner programmatischer Einfall war es, diese effektvollen, für die Musiker mitunter halsbrecherischen Stücke auf Haydn folgen zu lassen. Dem am Beginn stehenden mehrfach gebrochenen Wiener Walzer folgen eine fahle Serenade, ein tschechischer Tanz, Tango und Tarantella, allesamt hoch virtuos dargeboten und vom Publikum in der Kundenhalle der Kasseler Sparkasse heftig gefeiert.

Verzicht auf Effekt

Nach der Pause dann Antonín Dvoáks (1841-1904) „slawisches“ Quartett op. 51 mit der anrührenden „Dumka“ im zweiten Satz. Auch hier hohe Geschlossenheit im Ensemblespiel, Verzicht auf Effekt und dadurch ein subtiles kammermusikalisches Resultat.

Von Johannes Mundry

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