Eva Menasse las in der Märchenwache

Subtile Komik

Eva Menasse

Schauenburg. „Ich beobachte manisch meine Umwelt“, sagt die Wiener Autorin Eva Menasse, die seit zehn Jahren in Berlin lebt und 2005 mit ihrem ersten Roman „Vienna“ Aufsehen erregte. Der Bestseller wurde preisgekrönt und in mehrere Sprachen übersetzt.

Für ihr neues Buch „Lässliche Todsünden“, aus dem die Schwester des Schriftstellers Robert Menasse jetzt in der Schauenburger Märchenwache las, wählte sie die kleinere Form, die Erzählung, von der sie meint, dass sie viel schwerer zu bewältigen sei als die Romanform: „Das ist ein viel dichteres Gewebe“. Doch auch hier kam sie nicht ganz los von der übergreifenden Struktur. In den sieben Kapiteln, die von den sieben Todsünden der christlichen Überlieferung angeregt wurden, fand sie die inhaltliche Klammer. Und auch Personen und Schauplätze tauchen hier und da in mehreren Erzählungen auf. Widersprüche und Querverweise, subtile Anspielungen und ironisch schwebende Formulierungen kennzeichnen die Prosa von Eva Menasse, die auch heiklen Themen eine hintersinnige Komik abgewinnen kann. Sie beobachtet scharf, Wien, seine Menschen mit ihren Eigenheiten und Sünden, die hier doch eher verzeihlich erscheinen als aus streng theologischer Sicht. Spitzfindige Pointen, das Spiel mit der Sprache, der elegante Stil machen die untergründige Kritik an österreichischen Lebensweisen bis hin zu den politischen Verhältnissen schmackhaft, verdecken aber nicht ihre unabhängige analytische Position. Foto: von Dehn Eva Menasse: Lässliche Todsünden. Kiepenheuer & Witsch, 252 Seiten, 18,95 Euro.

Von Claudia von Dehn

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