Alfons frotzelte in der Gesamtschule Vellmar munter über Deutschland

Der subversive Franzose

Modischer Totalschaden, aber sympathisch und amüsant: Alfons in Vellmar. Foto: Fischer

Vellmar. Wie wäre es, wenn der Entertainer und Comedian Alfons demnächst „Wetten das ..?“ moderieren würde? Bei seinem Auftritt in der Gesamtschule Vellmar zeigte er Qualitäten, die selbst ein Gottschalk in Höchstform nur selten abrufen konnte.

Den modischen Totalschaden (orangefarbene Trainingsjacke, braune Hose, beiges Hemd) beherrscht er genauso gut wie die intelligente Fragestellung („Wie finden Sie das mit der Unterschicht in Deutschland?“), und dabei versprüht er den Charme eines Pudelrüden, der für die Kuscheldecke auf dem Sofa geboren wurde. Superstars und das Publikum würden ihn lieben.

Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, wo er sich im Dialog vergewissern will, ob man sich an der Initiative „Saufen für Griechenland“ beteiligen würde. Oder dass der Vergewaltigungsvorwurf gegen Dominique Strauss-Kahn nur eine PR-Aktion ist und ihm, Alfons, so etwas nie passieren könnte, da es keine Frau gebe, die seinem Sexappeal widerstehe.

Spätestens da denkt man sich: Dieser Mann ist auf einer Comedybühne wesentlicher besser platziert als an einem Samstagabend in den Palästen deutscher Fernsehunterhaltung. Denn bei Comedy ist prinzipiell erst mal alles erlaubt, was körperlich nicht wehtut. Natürlich auch die Sichtweise eines subversiven Franzosen auf die deutschen Weichteile.

Dass sich bei seinen bizarren Straßenbefragungen Abgründe sinnfreier Argumentationsketten quer durch alle sozialen Schichten öffnen wie der Vorhang zu einem Kasperletheater, demonstrierte er durch Videoeinspielungen während seiner Show. Mit Puschel-TV hat Alfons, eigentlich Emmanuel Peterfalvi, ein Format, welches sich in den dritten Programmen großer Beliebtheit erfreut. Dort kommt zum Vorschein, wie Politik und Moral in der Breite verarbeitet werden und nicht, wie man in der Höhe darüber redet.

Dass in Frankreich Straßenschilder nur Dekoration und rote Ampeln nur Vorschläge sind, deutet auf eine komplett andere Mentalität hin. Doch Alfons betont seine Liebe zu Deutschland, auch wenn sie sich ausschließlich in dem Amüsement über Peinlichkeiten, Bürokratie und Naivität artikuliert. Das allerdings geschieht auf eine so sympathische Art und Weise, dass man sich geschmeichelt fühlt, von ihm beleidigt worden zu sein. Großer Applaus.

Von Andreas Köthe

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