Absolventinnen der Tanzschule Sozo - Visions in Motion zeigten zwei Choreografien im tif

Suche nach einem Ort, nirgendwo

Poesie des Tanzes: Sarah Scheer (von links), Verena Voss, Mirjam Rauch und Sara Riash agieren in der Choreografie „Eudoxxia“ von Valentina Cabro in einem dunklen Raum. Fotos: Malmus

Kassel. Während in der Stadt die Fußballparty steigt - laut, euphorisch, siegestrunken - erobern im tif schwarz gekleidete Märchen-Mädchen die Bühne.

Sie bilden eine dunkle Pietà, sind Trauer-Bilder aus einem düsteren Lorca-Stück, durchziehen den Raum mit zarten elegischen Linien, ballen sich zusammen und scheinen sich wie Wesen aus einem Traum wieder zu verflüchtigen. Sieben Tänzerinnen suchen nach einem Ort, nirgendwo, alles ist zugleich Fläche und Geometrie, Partitur und Architektur. Die professionelle Tanzschule „Sozo - Visions in Motion“ von Deborah Smith-Wicke stellt sich mit zwei Choreografien im tif der Öffentlichkeit vor. Sieben Tänzerinnen erhalten nach drei Ausbildungsjahren ihr Diplom und beweisen in der Choreografie von Valentina Cabro, die zurzeit ihr Master-Diplom für Choreografie an der Palucca-Schule in Dresden absolviert, den Erfolg dieses neuen Studiengangs in Kassel.

Sinnlich und schön

„Eudoxxia“ setzt auf die Poesie des Tanzes, seine Zartheit selbst noch im Malen von Flächen und Bewegungslinien durch den Raum. Alles scheint zugleich wabernd und fließend zu den Klängen von Musikperformer Sascha Henkel und den eingespielten Bach-Sequenzen. Die schwarzen Kostüme von Kerstin Neunes untermalen mit fließenden und transparenten Stoffen Sinnlichkeit und Schönheit des zeitgenössischen Tanzes.

Wie unterschiedlich Blicke auf diese Welt sein können. Die zweite Choreografie von Michael Langeneckert, Trainingsleiter am Staatstheater Kassel, erarbeitet in einem furiosen Tanz-Stück die zunehmende Entfremdung in einer virtuellen-medialen Welt. „f2f“ zeigt die Tänzerinnen wie Kletterer an Halte-Seilen in der Wand - Begegnung nur mit Absicherung. Paare finden sich zusammen und lösen sich wieder. „Ich kann dich nicht mehr hören, vielleicht ist mein Akku leer“, sagt eine der Tänzerinnen, und vielleicht ist dies die Aussage des Stückes. In einer der eindringlichsten Sequenzen sind alle in einem Kommunikations-Desaster gefangen, pantomimisch gestikulierend, zu viele Worte ohne Sinn, zu viel Nähe ohne Bedeutung. Zum Schluss stürmischer Applaus im ausverkauften tif.

An diesem Abend tanzten Susanna Horn, Lisa Oettinghaus, Mirjam Rauch, Sara Riash, Sarah Scheer, Mareike Steffens und Verena Voss. Nach der Performance erhielten sie ihr Diplom. Herzlichen Glückwunsch.

Von Juliane Sattler

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