Suche nach dem Leben: Der 9/11-Film „Extrem laut und unglaublich nah“

Als die Welt noch in Ordnung war: Thomas Horn als Oskar Schell und Tom Hanks als dessen Vater Thomas Schell in dem Drama „Extrem laut und unglaublich nah“. Foto: dapd

Eine tieftraurige und hoffnungsvolle Geschichte erzählen Regisseur Stephen Daldry und der Autor der Romanvorlage, Jonathan Safran Foer, in „Extrem laut und unglaublich nah“.

Der britische Regisseur Daldry hat mit Filmen wie „Der Vorleser“, „Billy Elliot“ und „The Hours“ bewiesen, dass er das große Format beherrscht. Elegant, sorgfältig und mit der angemessenen Form destilliert er aus Tragik und Gefühlen Mainstreamkino mit Wohlfühlfaktor.

Das gelingt hier (meistens) auch, denn das Sujet ist extraschwieriger Stoff: Ein Kind bewältigt nach dem 11. September die Trauer über den Verlust des Vaters, kommt seiner Mutter wieder näher und verliert schließlich seine Riesenangst vor dem Leben.

Fiktionale Erzählungen gibt es zu 9/11 zwar bisher wenige, aber unsere Köpfe sind angefüllt mit Bildern von dem Geschehen.

Daldrys neue Geschichte kann sich in dieser Flut behaupten, auch wenn sich gegen Ende hin alles arg gefällig und glatt auflöst - was der Film gar nicht bräuchte.

Hauptdarsteller Thomas Horn bezaubert

Daldrys junger Hauptdarsteller Thomas Horn bezauberte bei der Filmvorstellung auf der Berlinale Hunderte Journalisten mit seiner Ernsthaftigkeit („Nein, für mich ist der Schluss so notwendig.“) Er zeigt diesen Oskar als fast autistischen Jungen, der mit seinem Vater leicht spinnerte Expeditionsprojekte ausgeheckt hat, und nach dessen Tod damit fortfährt, um sich ihm weiterhin nah zu fühlen: Oskar findet in Dads Sachen einen Schlüssel mit dem Hinweis „Black“ und besucht nun Hunderte New Yorker dieses Namens, um das passende Schloss zu finden.

Mit Stars wie Tom Hanks und Sandra Bullock als Oskars Eltern und Max von Sydow als Oskars schrulliger Begleiter erzählt der Film eine gefühlvolle Reise zu Menschen, die Menschen vermissen.

Die literarische Herkunft verleugnet das Drehbuch nicht, Oskars gestelzte Off-Kommentare passen aber zu dessen altkluger Art, die Welt zu sehen. Etwas gewollt poetisch und schon jenseits der Grenze zum Märchen sind zudem die Schicksale all der Blacks, die in der Geschichte kurz auftauchen wie Klappbilder im Kinderbuch.

Von Bettina Fraschke

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