Suche nach Nähe: Tanztheater „Bild-Sprung“ von Bettina Helmrich

Kampf oder Annäherung? Bettina Helmrich und der französische Tänzer Patrick Gaiaudo.. Foto: Fischer

KASSEL. „Kann ich mich fühlen“, sagte er. „May I feel“, said he. Diese Zeile aus einem Gedicht von E. E. Cummings hat die Tänzerin und Choreografin Bettina Helmrich zu ihrem neuen Tanztheater inspiriert. „Bild-Sprung oder nothing is what it seems to be“ ist der Titel des 45-minütigen Stückes, das jetzt auf der Studiobühne im Dock 4 gezeigt wird.

Ein Mann und eine Frau im Halbdunkel der Bühne, weit entfernt voneinander, erproben sie ihren Körper, die Anatomie, die Architektur der Bewegungen: Bettina Helmrich und der französische Tänzer Patrick Gaiaudo sind Sie und Er in diesen unendlichen Bemühungen, einander nahe zu kommen. Körper, die sich annähern und doch nur ihre Kräfte messen, die Köpfe aneinanderstemmen wie in einem Machtkampf, sich abwenden noch in der Hinwendung.

Während sich die zwei Tänzer bewegen, läuft gleichzeitig eine Videoprojektion auf drei gegeneinander versetzten Gazevorhängen. Der von Bettina Helmrich zusammen mit Patrick Gaiaudo gedrehte Film verdoppelt die Körper in der Performance.

Wohin schauen? Die Körper der zwei Tänzer verschmelzen mit den Filmbildern, Brechungen und Überschneidungen sind choreografisches Konzept. Was wollen wir sehen? Die weichgezeichneten nackten Körper der zwei auf den milchigen Gazevorhängen, Imagination einer Sehnsucht? Oder den realen Tanz auf der Bühne, manchmal begleitet von Tönen, mal Sehnsuchtsgesang einer Frau, mal Streitlust? Vielleicht sieht man im Bühnenvordergrund die Realität und im Hintergrund die Träume.

„Das Konkrete ist der Körper“, sagt Bettina Helmrich, die in der freien Kasseler Tanzszene mit dem intellektuellsten Zugang zur Bewegung arbeitet. „Bild-Sprung“, diesem Gesamtkunstwerk aus Tanz, bewegten Bildern und Tönen, hätte man am Donnerstag zur Premiere mehr Zuschauer gewünscht. Freundlicher Applaus.

Auch heute, Samstag, 19.30 Uhr, im Kulturhaus Dock 4.

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