Brüder-Grimm-Festival

Suche nach der verlorenen Zeit: Märchenmusical „Rumpelstilzchen“ im Park Schönfeld

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Ist auf Hilfe angewiesen: Marie, die Tochter des Müllers (Christina van Leyen, links) bekommt Besuch vom Rumpelstilzchen (Inga Jamry).

Kassel. Lautlos taucht auf dem stillen Wasser im Park Schönfeld eine rätselhafte Gestalt in einem roten Kanu auf - roter Hut, Federn, Armbänder, Zöpfe, Gesichtsbemalung. Mit einer geheimnisvollen, leicht kratzigen Stimme fängt dieses Rumpelstilzchen an zu singen „Mein Name ist geheim, keiner kennt meine Träume“ und paddelt über den See.

Ein absoluter Gänsehautmoment zum Auftakt des Märchenmusicals „Rumpelstilzchen - Im Rausch des Goldes“, das beim Brüder-Grimm-Festival auf der neuen Seebühne (Bühnengestaltung: Oliver Doerr) im Park Schönfeld am Donnerstagabend bei der ausverkauften Premiere freundlich beklatscht wurde.

Das Kasseler Rumpelstilzchen ist eine ziemlich andere Figur als im Märchen. Die großartige Inga Jamry spielt es mit einer Aura von Einsamkeit und Weisheit. Später nähert es sich vorsichtig der Müllerstochter Marie (Christina van Leyen), erkennt deren Ratlosigkeit, hilft ihr mit Gold, zeigt ihr aber auch eine Alternative zum allgegenwärtigen Streben nach Reichtum: Zeit haben, einander wirklich begegnen. Die Sanduhr wirft sie weg: „Die geht sowieso nach.“

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Autor und Regisseur Michael Fajgel hat das Grimm-Märchen stimmig in die Ära des Goldrausches gelegt, in die Welt von Großgrundbesitzern (Claudius Freyer als Jonathan Dawson) und Geldeintreibern (Daniele Nonnis als Hank), die nur Profitmaximierung im Sinn haben und mit Plastikmüll die Natur versauen.

Kein Wunder, dass Sohn Frederik Dawson damit nichts anfangen kann: Als Botaniker mit seiner ledernen Umhängetasche (Kostüme: Riet Hannah Bernard) ist er der Natur eng verbunden. Für die komischen Momente ist Steffen Laube als Müller zuständig, der karikaturhaft augenrollend das Drückebergertum zelebriert.

Haben eine unterschiedliche Weltsicht: Botaniker Frederik (Benjamin Hauschild, links) und sein Vater, Großgrundbesitzer Jonathan Dawson (Claudius Freyer).

Die Produktion kann nicht ganz verbergen, dass ihre Entstehung von Schwierigkeiten (personellen Wechseln und Erkrankungen) geprägt war. Tanzszenen sind rar (Choreografie: Loreen Fajgel), musikalisch hätte man sich mehr Songs, mehr Westernfeeling gewünscht. Zudem ist es schade, dass die von Harry Stingl geleitete Live-Band hinter den Flügeltüren der Kapitalistenvilla nicht sichtbar ist.

Gags und Nachdenkliches für Alt und Jung: Das Familienmusical spannt den großen Bogen. Das Hauptthema Zeit wird zusammengebracht mit Gedanken zum Miteinander - wozu es gehört, die Identität, das Wesen des anderen zu erkennen. Am Ende singt das Rumpelstilzchen froh: „Mein Name ist nicht mehr geheim, bin nicht mehr so allein.“

Bis 24. August, Mi. bis Fr. 19.30 Uhr, Sa. und So. 16 und 19.30 Uhr. Karten beim Theater im Centrum, Akazienweg 24, Tel. 0561 / 701 87 22. Preise: 15/23/ 25 Euro, Kinder: 13 Euro, Familienkarten: 55 und 62 Euro.

Von Bettina Fraschke

Bilder der Premiere

Premiere des Märchenmusicals "Rumpelstilzchen - im Rausch des Goldes"

Bilder vom Aufbau der Bühne

Im Park Schönfeld wird eine Freilichtbühne gebaut

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