Roditi-Ignatzek-Rassinfosse-Trio überzeugte im tif

Südamerika schlich sich ein

Leidenschaft: Trompeter Claudio Roditi gab alles auf seinem Instrument. Foto:  Koch

Kassel. Kann ein Jazztrio einen kompletten Abend ohne Drummer auskommen? Claudio Roditi (Trompete), Klaus Ignatzek (Klavier) und Jean-Louis Rassinfosse (Kontrabass) erbrachten Mittwochabend bei ihrem Konzert im tif eindrucksvoll den Beweis hierfür. So wurde der Rhythmuspart einfach innerhalb des Trios aufgeteilt. Roditi griff immer wieder zum Shaker-Ei und tat sich durch gekonnten Scat-Gesang hervor. Ignatzek überzeugte mit wohlgeformten rhythmisch präzise gesetzten Voicings, während Rassinfosse mit einem mal lyrisch melodiösen und dann auch wieder rhythmisch akzentuierten Bass seinen Part zusteuerte.

Mit einem bunten Programm aus bekannten Standards und zahlreichen südamerikanischen Titeln, etwa von Lins und Jobim, kamen vor allem auch Freunde des Latinjazz voll auf ihre Kosten. Dass sich dabei auch der ein oder andere südamerikanische Rhythmus in den restlichen Jazznummern einschlich, war angesichts der Wurzeln des brasilianischen Trompeters Roditi kaum verwunderlich.

Davon ließ sich hörbar auch Komponist Klaus Ignatzek anstecken, der Bachs bekanntem Stück Air mit seinem interessanten Arrangement eine ganz besondere rhythmisch-harmonische Note verlieh. Dass der Oldenburger neben einem feinsinnigen musikalisch-kompositorischen Gespür auch über eine ausgezeichnete Technik verfügt, offenbarte er insbesondere in seinen virtuosen Soli, in denen er rasant und zielsicher über die Klaviertastatur des Steinway-Flügels wirbelte.

Seine beiden Kollegen standen ihm auch in dieser Hinsicht in nichts nach. So zeigte Rassinfosse eine besondere Leidenschaft für musikalische Zitate, die sich nicht nur auf den Jazzbereich beschränkten und ungehemmt auch klassische Melodien andeuteten. Schlussendlich ließ es sich Ignatzek auch nicht nehmen, seine Verehrung für Art Blakey, einen ganz besonderen Schlagzeuger, Komponist und Bandleader, in Form einer Widmung auszudrücken.

Von Sebastian Krämer

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