Südhessen lässt ihn kalt: F. C. Delius eröffnete Literarischen Frühling

Erster Gast der neuen Lesereihe: Friedrich Christian Delius (rechts) mit dem Journalisten Ulrich Manz bei der Lesung im Frankenberger Rathaus. Foto: Katharina Jäger

Frankenberg. In der stimmungsvollen Rathaus-Schirn in Frankenberg, dem Erdgeschoss des historischen Fachwerk-Rathauses, gab es am Samstagabend vor 150 Zuhörern den Auftakt zum ersten Literarischen Frühling.

Das neue, von drei Hoteliers aus der Region Waldeck-Frankenberg erdachte Literaturfestival, soll an schönen Orten mit Lesungen und Begegnungen von und mit berühmten Schriftstellern den kulturellen Wert der Grimm-Heimat Nordhessen demonstrieren.

Erster Gast war Friedrich Christian Delius, der in Wehrda bei Hünfeld und in Korbach aufwuchs. In Korbach war er schon in seiner Gymnasialzeit freier Mitarbeiter der Waldeckischen Allgemeinen. Wie der Träger des Georg-Büchner-Preises 2011 sagte, ist sein Hessen-Bild von der Landschaft der nördlichen Landesteile geprägt: „Südhessen lässt mich kalt“ - eine Aussage, mit der man im Norden immer Beifall bekommt.

Ihn einzuladen, war also die richtige Wahl, zumal das Buch, aus dem er las, im nördlichen Hessen spielt. „Die Frau, für die ich den Computer erfand“ (2009) ist so etwas wie die Lebensbeichte von Konrad Zuse, der den ersten digitalen Rechner erfunden hatte. In Neukirchen bei Hünfeld gründete Zuse nach mehreren Ortswechseln die Zuse KG, wo er seine Erfindung fortentwickelte, die heute unter dem Namen Computer jedes Kind kennt. Doch Ruhm und Profit ernteten andere.

Dieses Schicksal und diese Erfindung, die einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit markiert, interessierten Delius und animierten ihn zu dem langen fiktiven Monolog. Wer aber nun die Frau war, für die der Computer erfunden wurde, das verschwieg der Schriftsteller mit einem koketten Hinweis auf den Büchertisch.

Im Gespräch mit dem Journalisten Ulrich Manz wurde auch das neueste Buch von F. C. Delius vorgestellt: „Als die Bücher noch geholfen haben. Biografische Skizzen“. Interessant waren dabei die distanzierenden Äußerungen des 69-Jährigen über die 68er-Jahre, die er eher als „aufklärerischer Ästhet“ denn als Revoluzzer erlebt hätte.

Von Johannes Mundry

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