Die Band „So Weiss“ im Theaterstübchen

Süß, aber ohne Sahne

Kassel. Was haben der Dichter Ben Jonson (1572 bis 1637) und klaustrophobische Zustände während einer U-Bahn-Fahrt gemeinsam? Sowohl ein Liebesgedicht des Engländers als auch ein Song über urbane Beklemmung finden sich im Repertoire des Berliner Trios So Weiss. Ebenso originell ist der musikalische Stil der Band, die ihren Namen von Javier Marias’ Roman „Mein Herz so weiß“ abgeleitet hat.

Als ein am Singing/Songwriting orientierter Popjazz wird die Musik von So Weiss gehandelt, doch ist sie keineswegs Mainstream. Verträumte Romantik erfährt einen Dreh ins Artifizielle, was im Theaterstübchen ziemlich gut ankam. Die Besetzung ohne Harmonie-Instrument trägt zur Originalität bei. Keine Akkorde, nichts Flächiges, nur pure Linien. Ein leichtes Musikdessert: schmackhaft süß, aber ohne Sahne.

Minimalistische Motive von Susanne Folk (Saxofon, Klarinette, Komposition) und die bewegte Basis von Roland Fidezius (Kontrabass) setzen Kontrapunkte zum glasklaren Gesang von Kristiina Tuomi. Mal singt die sehr mädchenhaft klingende Folk eine zweite Stimme, mal setzt sie zum Instrumentalsolo an, und temperamentvoll erweitert wird das Trio durch den Gastschlagzeuger Ketan Bhatti. Besonders überzeugt Kristiina Tuomi, ein Vollprofi auch bei einer astreinen Pfeif-Einlage. Nach einem Aussetzer in der Zugabe, die nochmals begonnen werden muss, lächelt Susanne Folk immerhin so liebreizend wie Schneewittchen.

Von Georg Pepl

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