Ein süßer Abend voller Euphorie

Die Indiepop-Band „Von Wegen Lisbeth“ im Schlachthof

Sang sogar über Baunatal und Dissen: Matthias Rohde, Frontmann der Berliner Band „Von Wegen Lisbeth“. Foto: Zgoll

Kassel. Göttingen, so schrieb die Berliner Indiepop-Band „Von Wegen Lisbeth“ zuletzt auf ihrer Facebook-Seite, sei das „Berghain unter den Kleinstädten“ – in Anlehnung an den legendären Techno-Club in der Hauptstadt.

Eine Steigerung ist da nur schwer möglich. Aber wenn man Mittwoch im Schlachthof in die Gesichter von Sänger Matthias Rohde und seiner Kollegen sah, muss das Kulturzentrum in der Nordstadt mindestens so gut sein wie das Berghain.

Die Musikeraugen strahlten, die mehr als 100 Fans sangen jede Zeile mit, und Rohde stellte erstaunt fest: „Das ist ja rappelvoll hier, Alter.“ Später bedankte er sich bei „diesem wunderbaren Laden“, und bei Facebook notierte die Band: „Danke Kassel, das war sick!“ Auch das war als Kompliment gemeint.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass man ein so euphorisiertes Konzert erlebt wie mit dem Quintett, das mit „Sushi“ gerade einen Hit gelandet hat, der bei Youtube mehr als 100 000 Mal angeklickt wurde. Die Euphorie war schon bei der Vorband „Wir bringen kalten Kaffee mit“ spürbar. Das Kasseler Quartett um Sänger Max Remmert hat ebenfalls einen ungewöhnlichen Namen und spielt wie „Von Wegen Lisbeth“ Deutschpop mit intelligenten Texten. Dazu verteilte ein Freund der Band am Bühnenrand selbst gebackene Waffeln. So süß duftete es im Schlachthof noch nie.

Süß sind auch die Melodien der fünf Lisbethianer, die sich schon aus der Grundschule in Steglitz kennen, als Teenager mit Hardcore-Punk lärmten und nun wie eine Mischung aus dem Schlagerpop von Virginia Jetzt! und dem Indierock von Fotos klingen. Neben der klassischen Besetzung unterfüttern sie ihren melodischen Pop live mit Steeldrum, Glockenspiel und einem halben Dutzend anderer Instrumente.

Ihren internetkritischen Hit „Sushi“ widmen sie allen „Leuten, die ihr Essen bei Facebook posten“. Im Song heißt es: „Lina, ich will dein Essen gar nicht seh’n, warum ist dein Leben so wunderwunderschön?“ Die Besucher lassen sie im Stück „Hellersdorf“ im Chor „Baunatal“ und „Dissen“ singen, die Namen von „Kassels hässlichsten Vororten“.

„Von Wegen Lisbeth“ haben einen Humor, der im Pop-Betrieb Konjunktur hat. Ihr erstes Mini-Album hat die Band einst für fünf Euro verkauft. Mittlerweile ist es ausverkauft, aber die EP gibt es bei Ebay nun für 5,16 Euro, wie Frontmann Rohde verriet. „Wir werden krass fame“, scherzte Frontmann Rohde. Nach diesem Abend wünscht man ihm und seiner Band ganz viel Ruhm.

„Wir bringen kalten Kaffee mit“ spielen am 6. 11. im K19. www.sehrkalterkaffee.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.