Am Sonntag vor 400 Jahren starb Caravaggio, der frühbarocke Meister des Lichts und der Unmittelbarkeit

Ein Superstar der Malerei

An Eindringlichkeit nicht zu überbieten: Caravaggios Gemälde „Der ungläubige Thomas“ hängt im Potsdamer Schloss Sanssouci.

Rom feiert einen der größten Maler seiner Geschichte die ganze Nacht hindurch. Bis zum Morgen des 400. Todestages von Caravaggio am Sonntag bleiben die Galleria Borghese und die drei Kirchen San Luigi dei Francesi, Sant’ Agostino und Santa Maria del Popolo geöffnet.

Der Meister des Frühbarock ist populär wie nie, seit er am 18. Juli 1610 mit 38 vermutlich an einer Darminfektion oder Malaria starb. 100 Jahre nach seinem Tod war Caravaggio fast vergessen. Gerade besuchten 580 000 Menschen im Museum Scuderie del Quirinale die Ausstellung von 24 seiner nur 67 erhaltenen Werke: die erfolgreichste italienische Ausstellung der letzten zehn Jahre.

Caravaggios Gemälde, gerade im Dämmer einer römischen Kirche, überwältigen: wegen des revolutionären, dramatischen Einsatzes des einfallenden Lichts - seine Helldunkelmalerei nennt man „Chiaroscuro“ - und wegen der realistischen Lebendigkeit und Detailfreudigkeit der biblischen und allegorischen Szenen. Caravaggio beschönigt nicht. Er holt das Geschehen nach vorn, dicht an den Betrachter, der sich einer Sogwirkung kaum entziehen kann. Und er verknüpft das Sakrale mit dem Profanen: Seine Modelle waren Prostituierte, seine Figuren haben schmutzige Fingernägel.

Caravaggios unstetes, verruchtes Leben fasziniert die Menschen des 21. Jahrhunderts ebenfalls. Der Maler gilt als kühnes Genie, das prügelnd und promiskuitiv gegen Regeln verstoßen hat. Wobei Kunsthistoriker inzwischen warnen, die Maßstäbe unserer Zeit anzulegen: Caravaggios Lebenswandel, der der Legende nach wegen Betrügereien und Spielschulden zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führte, sei für die unruhigen Zeiten nicht ungewöhnlich gewesen, sein vermeintlich unberechenbarer Charakter ihm von Rivalen und Neidern angedichtet worden.

Was wir als provozierend auffassen - Caravaggios laszive Jünglinge lassen vermuten, der Maler sei homosexuell gewesen, erotische weibliche Figuren gibt es nicht - nennt Sybille Ebert-Schifferer, Direktorin der Bibliotheca Hertziana in Rom, einen Ausdruck „gelassener Selbstverständlichkeit“.

Nur im Blut des enthaupteten Johannes hat er seine Signatur hinterlassen. Als besiegter Goliath hat er sich selbst porträtiert: Caravaggio wusste, was es heißt, leidenschaftlich, verwundbar, unterlegen, ja von Schmerz gequält zu sein.

Von Mark-Christian von Busse

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